HPV-Infektion vermeiden

Die HPV-Impfung sollte Jungen und Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht werden. (Foto: Fotolia / anatoliycherkas)
Die HPV-Impfung sollte Jungen und Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht werden. (Foto: Fotolia / anatoliycherkas)

Auch Jungen sollen sich impfen lassen.

(iwg/fru) Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich – meist bald nach Aufnahme der sexuellen Aktivität – ­mit humanen Papillomviren (HPV). HPV-Infektionen kommen sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor und gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen, teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Dabei könne es zeitgleich zu einer Infektion mit mehreren HPV-Typen kommen, darunter mit den Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18, die aufgrund ihres krebserregenden Potenzials zu bösartigen Tumoren wie z. B. Gebärmutterhalskrebs führen können. Aber auch eine Infektion mit den Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11 ist nicht harmlos, denn diese können Genitalwarzen verursachen.

Relativ niedrige Impfbereitschaft

Hauptübertragungswege des HPV-Virus sind laut RKI Vaginal- und Analverkehr. Aber auch über Oralverkehr ist eine Übertragung in die Mundhöhle oder in den Rachen möglich. Seit 2007 können sich Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen impfen lassen – nur etwa jede dritte Versicherte tut es. Dafür gibt es zahlreiche, sehr verschiedene Gründe. Eine der Hauptursachen für die niedrige Impfbereitschaft könnte das Fehlen staatlicher Impfprogramme in Deutschland sein. Überall dort, wo Schulbehörden, Gesundheitsämter oder andere öffentliche Einrichtungen über die Impfung aufklären und diese auch organisieren, sind die Impfquoten deutlich höher. So sind beispielsweise in Großbritannien etwa 80 Prozent der zwölfjährigen Mädchen gegen HPV-Viren geimpft.

„Die Impfung gegen HPV ist gut verträglich und sicher“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihren Internetseiten. Als häufigste Reaktion auf die Impfung können Schmerzen, Rötungen oder eine Schwellung an der Einstichstelle auftreten. Es kann manchmal auch zu Kopf- oder Muskelschmerzen, Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel und Müdigkeit kommen. Diese Beschwerden seien laut BZgA in der Regel nur von kurzer Dauer und zeigen lediglich, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt.

STIKO empfiehlt Impfung auch für Jungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen HPV auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine Immunisierung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen. Wie bei der HPV-Impfung für Mädchen sind im Alter von 9 bis 14 Jahren zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Wenn die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht wird, sind insgesamt drei Impfungen notwendig. Eine Nachholimpfung sollte bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Das Ziel der HPV-Impfung von Mädchen und Jungen ist insbesondere die Reduktion der Krankheitslast durch HPV-assoziierte Tumoren.

„Angesichts unzureichender HPV-Impfquoten der Mädchen in Deutschland mit einer Durchimpfungsrate von 31 Prozent bei den 15-jährigen Mädchen und folglich einer unzureichenden Herdenschutzwirkung war zehn Jahre nach der STIKO-Empfehlung für eine alleinige Mädchenimpfung eine Überprüfung der wissenschaftlichen Literaturlage dringend notwendig“, sagt Prof. Dr. Peter Schneede, HPV-Experte der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), auf der Seite urologenportal.de. Die DGU und der Berufsverband der Urologen unterstützen daher die neuere Empfehlung der STIKO, auch Jungen zu impfen.