Hörsturz – der „Infarkt im Ohr“

Ein Hörsturz kann unangenehme Begleiterscheinungen haben: zum Beispiel Ohrgeräusche wie ein Pfeifen, Rauschen oder Brummen. (Foto: underdogstudios / Fotolia)
Ein Hörsturz kann unangenehme Begleiterscheinungen haben: zum Beispiel Ohrgeräusche wie ein Pfeifen, Rauschen oder Brummen. (Foto: underdogstudios / Fotolia)

Wenn das Gehör schlagartig schlechter wird, sollte man zum HNO-Arzt gehen.

(dbp/spo) „Auf einmal war mein Ohr zu, so als hätte jemand Watte hineingestopft.“ Oder: „Als müsste man – wie im Flugzeug – einen Druckausgleich machen. Nur, dass das nicht geht.“ So beschreiben manche Patienten das, was Ärzte später als Hörsturz diagnostizieren. Der „Infarkt im Ohr“ sollte unbedingt von einem Fachmann beurteilt werden, so der Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Ein Hörsturz sorgt ganz plötzlich dafür, dass die Betroffenen – meist auf einem Ohr – deutlich schlechter hören. Oft ist das „dumpfe Gefühl“ begleitet von einem Brummen, Pfeifen, Klingeln oder Rauschen, so wie bei einem Tinnitus. Teils kommt auch noch ein Schwindelgefühl hinzu. Bei manchen ist der Hörverlust nur schwach, andere werden auf dem betroffenen Ohr fast taub.

Auslöser: Durchblutungsstörungen?

Was genau einen Hörsturz auslöst, ist unklar. Vermutlich sind es Durchblutungsstörungen, die die feinen Haar- und Sinneszellen im Innenohr schädigen. So können sie die Druckschwingungen der Schallwellen nicht mehr richtig aufnehmen, sagt der HNO-Ärzte-Verband. Aber auch Infektionen und Entzündungen können dahinter stecken. Faktoren wie Stress, Bluthochdruck, Diabetes und Gerinnungsstörungen scheinen das Risiko, einen Hörsturz zu bekommen, zu erhöhen.

In manchen Fällen verschwinden die Symptome von selbst wieder, weiß die Deutsche Tinnitus-Liga. Als medizinischer Notfall sofort in die Klinik muss man also mit einem Hörsturz nicht. Ist das Hören allerdings auch nach 24 bis 48 Stunden gestört, sollte man zügig zu einem HNO-Arzt gehen. Wer zu lange wartet, riskiert bleibende Hörschäden.

Kortison-Therapie wird empfohlen                                                                                            

Das Problem: Weil die Ursachen des Hörsturzes nicht eindeutig geklärt sind, ist auch die Behandlung schwierig. Verschiedene Therapieformen wurden in den vergangenen Jahren ausprobiert, etwa die Kortisontherapie, blutverdünnende Infusionen, die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) oder die Gabe von Ginkgo-Präparaten. Allerdings ist die Studienlage zur Wirksamkeit dünn, die lange standardmäßig eingesetzten Blutverdünner zum Beispiel haben zudem unangenehme Nebenwirkungen.

Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in ihrer aktuellen Leitlinie „Hörsturz“ standardmäßig nur noch die Behandlung mit hochdosiertem Kortison. Und zwar in Form von Tabletten oder Infusionen. Bringt das nach fünf bis zehn Tagen keine Besserung, könne das Kortison direkt ins Mittelohr gespritzt werden (medizinisch: intratympanal).

In Absprache mit dem behandelnden Arzt dürfen natürlich auch andere Therapien probiert werden. Wegen der unklaren Wirksamkeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten aber meist nicht.

Wird der Patient rechtzeitig behandelt, kann das Gehör oft vollständig wiederhergestellt werden. Um einen erneuten Hörsturz zu vermeiden, rät der HNO-Ärzte-Verband den Betroffenen, kürzer zu treten: „Stress scheint eine nicht unbedeutende Rolle bei der Entwicklung eines Hörsturzes zu spielen. Auch aufs Rauchen sollte verzichtet werden.“

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Quellenangaben:
S1-Leitlinie Hörsturz der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, AWMF-Registernummer 017/010, Stand: 1/2014; Prof. Dr. Gerhard Hesse: „Neue Leitlinie zur Behandlung des Hörsturzes“, in: Tinnitus-Forum 1-2014; Ulrike Viegener: „Hörsturz: Versorgungsengpass im Innenohr“, in: Pharmazeutische Zeitung Ausg. 19/2012; Online-Informationen des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte (www.hno-aerzte-im-netz.de, aufgerufen im Juli 2015); Online-Informationen der Deutschen Tinnitus-Liga (www.tinnitus-liga.de, aufgerufen im Juli 2015)

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