Hören in Farbe statt Schwarzweiß

Besser hören bedeutet: Mehr Spaß am Leben haben. (Foto: kolinko tanya / Fotolia)
Besser hören bedeutet: Mehr Spaß am Leben haben. (Foto: kolinko tanya / Fotolia)

(dbp/abz) Viele Menschen nehmen die Welt aufgrund von Hörminderungen nur eingeschränkt wahr

Für etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland ist nicht die ganze bunte Welt des Hörens wahrnehmbar, weil sie – oft viele Jahre unbemerkt – mit Hörminderungen leben.

Der Unterschied zwischen gesundem Hörvermögen mit den damit verbundenen vielfältigen Wahrnehmungen und eingeschränkter Hörfähigkeit lässt sich durchaus als Vergleich des Fernsehens mit einem alten Schwarzweißgerät und dem mit einem modernen HD-Farbgerät beschreiben. Unbehandelte Hörminderungen lassen die Welt grau werden, verhindern oder vermindern Hör-Genüsse und schließen Betroffene so in vielen Bereichen des täglichen Lebens von schönen Erlebnissen aus.

Da sich Hörminderungen oft schleichend entwickeln, leben Betroffene oft viele Jahre mit zunehmend eingeschränkter Hörfähigkeit und nehmen in dieser Zeit Ihre Umwelt – zumindest akustisch – wie durch einen Filter wahr. Erst wenn deutliche Anzeichen die eigene eingeschränkte Hörfähigkeit offenbaren, werden Schwerhörige aktiv.

Anzeichen für Hörminderungen im Alltag

Stutzig werden sollte, wer in seinen Gesprächen Satzteile oder einzelne Wörter nur verzerrt oder in Teilen wahrnimmt. Oft schränkt die sich fortschreitende Hörminderung zuerst die Wahrnehmung feiner und hoher Töne ein. Wer sich also bewusst daran erinnern muss, wie sich das Zwitschern der Vögel und das Zirpen von Grillen anhören, hat diesen Bereich der akustischen Welt vielleicht schon lange verlassen und hört die Vögel einfach nicht mehr. Typisch für schleichenden Hörverlust ist auch, wenn es bei Hintergrundgeräuschen zunehmend schwerer fällt, Gesprächen zu folgen. Oftmals werden die Gründe für die Hörschwierigkeiten von den Betroffenen zuerst in der Umwelt gesucht und auf leise redende Gesprächspartner, die hohen Umgebungsgeräusche oder sonstige Erklärungen zurückgeführt. So vergehen nach Angaben der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) im Schnitt etwa sieben Jahre, bis Betroffene aktiv werden und sich entschließen, zum HNO-Arzt oder zum Hörgeräteakustiker zu gehen.

Rückkehr in die Welt des farbigen Hörens

Meist lässt sich eine Hörminderung mit einem Hörgerät gut behandeln. Nach der Untersuchung und Diagnose beim HNO-Arzt und der folgenden Anpassung des Hörgerätes beim Hörgeräteakustiker ist der bewusste und konsequente Weg zurück in die Welt der jahrelang verpassten Töne manchmal nicht ganz einfach. Anfangs wird die Vielfalt zurückkehrender Geräusche wie z. B. Vogelgezwitscher, Windrauschen, Fahrgeräusche, Hintergrundmusik oder auch Sprachlaute in bestimmten Frequenzbereichen und sehr feine Töne als störend empfunden. Wichtig ist es daher, die wieder erlangte Hörfähigkeit nicht als Belastung sondern als Bereicherung und als Chance zur Teilnahme am wirklichen menschlichen Miteinander zu begreifen. Sehr hilfreich kann dabei ein professionelles Hörtraining sein, das Hörgeräteakustiker und Audiotherapeuten anbieten. Dabei wird der Umgang mit der zurückgewonnen Wahrnehmungsfähigkeit durch Gewöhnung, Identifizierung von Nutz- und Störgeräuschen, Stärkung der Hörkonzentration, Schulung des Richtungshörens und durch Ausbau und Festigung der Hörerinnerung erleichtert.

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