Hilfsmittel kompensieren den Sehverlust

Eine digitale Leselupe mit Touchscreen und HD-Kamera erleichtert das Sehen. (Foto: Eschenbach Optik)
Eine digitale Leselupe mit Touchscreen und HD-Kamera erleichtert das Sehen. (Foto: Eschenbach Optik)

Spezialisierte Augenärzte und Optiker unterstützen Menschen mit starker Sehbehinderung

(dbp/auh) Bei Krankheiten, die das Augenlicht bedrohen, ist Erblinden heute kein unausweichliches Schicksal mehr. Dr. Christian Wolfram von der Universitäts-Augenklinik Mainz erläuterte auf dem Kongress der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) im vergangenen Jahr, wie sich die Zahl der Blinden und Sehbehinderten in Deutschland entwickelt hat: Rechnet man den demografischen Effekt heraus, dann sei die Häufigkeit von Sehbehinderung und Blindheit zwischen 1993 und 2009 um 9,6 Prozent gesunken. „Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg der Augenheilkunde“, so Dr. Wolfram.

Dennoch kann nicht in jedem Fall, sei es nach einem Unfall oder krankheitsbedingt, der Verlust der Sehfähigkeit aufgehalten werden. Die mit großem Abstand häufigste Ursache für Erblindung und starke Sehbehinderung ist in den sogenannten Industrieländern die altersabhängige Makuladegeneration (AMD).

Wenn die Buchstaben verschwimmen

Diese Degeneration bewirkt einen fortschreitenden Sehverlust der Gesichtsfeldmitte, das bedeutet, die Patienten können genau das nicht mehr sehen, was sie direkt anschauen. Beispiele: Beim Lesen verschwimmen die Buchstaben, beim Betrachten von Fotos fehlt die Mitte des Bildes und es fällt immer schwerer, Gesichter zu erkennen. Der Sehverlust beschränkt sich meist auf das Zentrum des Gesichtsfeldes; das periphere Sehen und somit die Orientierung im Raum bleiben fast immer erhalten.

Mehr Licht hilft AMD-Patienten

Vergrößernde Sehhilfen und verbesserte Beleuchtung helfen vielen AMD-Patienten, aber auch Menschen mit anderen Sehbehinderungen, die kommunikativen Möglichkeiten trotz Handicap weiterhin nutzen zu können. Wichtig ist, dass die Hilfsmittel individuell angepasst werden: nicht nur an die medizinischen und physiologischen Voraussetzungen des Patienten, sondern auch an seine Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten.

Individuelle Anpassung ist wichtig

Es gibt Lupen, Leuchten, Lupenbrillen, Fernrohrlupenbrillen, elektronische (auch mobil einsetzbare) Bildschirmlesegeräte und vieles mehr. Der Berufsverband der Augenärzte (BVA) empfiehlt, dass diese optischen und elektronischen Hilfsmittel von einem spezialisierten Augenarzt angepasst werden und dass der Patient die Geräte unter Anleitung ausprobiert. Eine Liste mit Adressen von spezialisierten Augenärzten hält der BVA im Internet unter www.augeninfo.de/listen/lo-vis.pdf bereit.

Augenoptiker, die sich auf Kunden mit starker Sehbehinderung und besonderen Sehproblemen spezialisiert haben, kann man auf der Internetseite der Wissenschaftlichen Vereinigung für Augenoptik und Optometrie (WVAO) finden. Eine nach Postleitzahlen geordnete Liste steht zur Verfügung unter: www.wvao.org/pages/open_news/anerkannte_fachberater/sehbehinderte/.

In dem Verein „Low Vision Kreis“ haben sich ebenfalls Augenoptiker aus ganz Deutschland zusammengefunden, die sehbehinderten Menschen bei der Suche nach der passenden Sehhilfe zur Seite stehen wollen. Die Internetseite www.low-vision-kreis.de bietet unter der Rubrik „Hilfsmittel“ auch einen ersten Überblick.

Eine umfangreiche Broschüre zum Thema gibt es beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Sie heißt „Hilfsmittel für sehbehinderte Menschen“ und wurde gemeinsam mit dem Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) herausgegeben. In der Infothek der Homepage www.dbsv.org kann die Broschüre kostenlos heruntergeladen werden.