Hilfe für Helfer

Wenn Angehörige mit der Pflege überfordert sind, hilft das Beratungstelefon „Pflege in Not“ unter der Telefonnummer 030-69598989. (Foto: BillionPhotos / Fotolia)
Wenn Angehörige mit der Pflege überfordert sind, hilft das Beratungstelefon „Pflege in Not“ unter der Telefonnummer 030-69598989. (Foto: BillionPhotos / Fotolia)

Pflegende Angehörige brauchen oft selbst Unterstützung.

(dbp/nas) Einen Menschen zu pflegen, ist eine ganz spezielle Aufgabe. Vor allem, wenn es sich bei diesem Menschen um einen Angehörigen handelt. Egal, ob es der Partner, ein Kind oder ein Elternteil ist – die Pflege eines Angehörigen stellt vor allem emotional oft eine große Belastung dar. Deshalb ist es auch besonders wichtig, sich Freiräume zu schaffen und sich Hilfe zu holen. Der wichtigste Rat von Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe lautet: „Niemand sollte einen Menschen mit Pflegebedarf allein begleiten“.

Am besten sollte sich eine ganze Gruppe kümmern

Meist entsteht die Situation, dass jemand Pflege benötigt, plötzlich. „Das größte Problem ist, dass man darauf nicht vorbereitet ist“, sagt Christine Sowinski. Die Krankenschwester und Diplom-Psychologin weiß, dass die Unterstützung für den Pflegebedürftigen dann in vielen Fällen ganz schnell nur auf eine Person zuläuft. Und genau das gilt es nach Möglichkeit zu vermeiden: „Wenn es irgendwie geht, ist es am besten, wenn sich eine ganze Gruppe kümmert“, erklärt Sowinski. Angehörige, aber auch andere Menschen, denen der Pflegebedürftige am Herzen liegt, sollten sich im Vorfeld treffen und überlegen, wie man das regeln kann, was es eben zu regeln gibt. Die Aufgaben sollten dabei auf möglichst viele Schulter verteilt werden.

Dabei sollte man je nach Bedarf auch auf Unterstützung von außen zurückgreifen – vom professionellen Pflegedienst bis hin zu ehrenamtlich Engagierten. Das gilt natürlich auch und besonders für Menschen, die die Pflege von Angehörigen allein übernehmen müssen. Ein wichtiger Ansprechpartner ist der Hausarzt, der oft auch Kontakte vor Ort vermitteln kann, sagt Christine Sowinski. Regional gibt es große Unterschiede, was Angebote und Beratungsstellen angeht. „Fragen Sie bei Nachbarn oder in der Kirchengemeinde nach“, rät die Expertin. Außerdem sollte jeder pflegende Angehörige Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe suchen – zum Beispiel auch telefonisch oder über das Internet. Die gemeinsame Erfahrungsebene und der Austausch sind für viele Betroffene große Stützen. Es gibt außerdem Online-Coachings und Pflegekurse, um sich sozusagen fachlich fit zu machen.

Pflegekassen und andere Stellen beraten ebenfalls

Auch eine Therapie kann für pflegende Angehörige hilfreich sein. Sämtliche Familienkonflikte brechen nämlich in der Pflegesituation erneut auf, erläutert Christine Sowinski. Ganz wichtig sei, zu lernen, wie man sich abgrenzt. Das erfordere Disziplin und auch eine gewisse Härte. Ebenso wie der Kampf gegen den inneren Schweinehund, wenn man sich erschöpft fühle und den Drang habe, sich zurückzuziehen: Sich mit anderen Menschen auszutauschen, Verabredungen zu treffen und regelmäßig etwas zu unternehmen – das sollte man unbedingt aufrechterhalten, um notwendige Kraft zu tanken. Wenn der Pflegende noch dazu eine eigene Familie, vielleicht Kinder hat, sei es wichtig, den Fokus auf die zu richten, weil deren Schutzbedürftigkeit vorgehe. Ein richtiges Rezept gebe es nicht – für die Betroffenen gilt es immer, einen eigenen Weg zu finden.

Die Pflegekassen in Deutschland sind verpflichtet, einen Pflegebedürftigen zu beraten. Dabei geht es um die verschiedensten Aspekte von der Finanzierung der Pflege über eventuelle behindertengerechte Umbauten bis hin zu Zuschüssen der Urlaubs- und Verhinderungspflege. Angehörige können sich auch bei Beratungsstellen von Städten und Gemeinden sowie in Pflegestützpunkten informieren oder sich an die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, an Seniorenbeiräte oder Freiwilligenagenturen wenden. Es gibt zudem zum Beispiel eine „Krisenhotline“ für Probleme während der Pflege und ein Beratungstelefon „Pflege in Not“ bei Überforderung oder Gewalt in der Pflege. Wichtig ist, es erst gar nicht zu einer Überforderung kommen zu lassen und sich möglichst gut zu entlasten.

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