Hilfe beim Sterben, aber nicht zum Sterben

Die Palliativmedizin soll todkranken Menschen helfen, ihre verbleibende Zeit möglichst ohne starke Schmerzen und belastende Symptome zu verbringen. (Foto: CandyBox Images / Fotolia)
Die Palliativmedizin soll todkranken Menschen helfen, ihre verbleibende Zeit möglichst ohne starke Schmerzen und belastende Symptome zu verbringen. (Foto: CandyBox Images / Fotolia)

Auch Pflegeheimbewohner können Palliativmedizin in Anspruch nehmen.

(dbp/auh) „Ich habe keine Angst vor dem Sterben, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn es passiert“, sagt die Hauptfigur namens Kleinman in Woody Allens Theaterstück „Tod“. Vielen Menschen, die auf ein erfülltes Leben zurückblicken, geht es ähnlich. Angst vor dem Tod? Nein, aber Angst vor dem Sterben.

Die Palliativmedizin bietet todkranken Menschen Hilfe beim Sterben an, aber keine Hilfe zum Sterben, so formuliert es die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Das Ziel der palliativmedizinischen Versorgung ist ein menschenwürdiges Sterben, ermöglicht vor allem durch die Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen wie Atemnot, Übelkeit und Erbrechen. Die Palliativmedizin erschöpft sich aber nicht in der Gabe von Medikamenten. Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen, Pflegende, Psychologen, Geistliche und Angehörige weiterer Berufsgruppen sorgen für eine ganzheitliche Sterbebegleitung.

Optimale Betreuung am Lebensende

Wenn Todkranke optimal betreut werden, geben sie den Wunsch nach Sterbehilfe häufig auf, meinen nicht nur Palliativmediziner. Das ist auch die Haltung der christlichen Kirchen und anderer Wohlfahrtsverbände. „Deshalb müssen wir zuerst dafür Sorge tragen, dass jeder Mensch sicher sein kann, am Lebensende gut versorgt zu werden“, so Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie. Seine Forderung an die Politik: Die Lücken in der palliativen Versorgung müssen geschlossen werden. Das betrifft nicht nur spezialisierte Einrichtungen wie Hospize und Palliativstationen in Krankenhäusern, sondern ganz besonders die Versorgung in Altenpflegeheimen.

Dass auch Bewohner von stationären Einrichtungen ein Recht auf palliativmedizinische Versorgung haben, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Bereits seit 2007 besteht für gesetzlich Krankenversicherte dieser Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Voraussetzung ist das Vorliegen einer „nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung“, wie es der Gesetzgeber formuliert. Um die Leistung zu erhalten, ist eine ärztliche Verordnung erforderlich.

Mehr Personal in den Heimen nötig

„Noch sind wir weit davon entfernt, dass in allen Altenpflegeheimen schwerstkranke und sterbende Bewohner am Ende ihres Lebens im Sinne einer guten Palliativversorgung begleitet werden können“, erklärt Katja Goudinoudis, Sprecherin der Sektion Pflege der DGP. Sie bricht eine Lanze für die Pflegekräfte in den stationären Einrichtungen, die „dringend Unterstützung brauchen“. Die Pflegefachfrau weiß aus eigener Erfahrung, dass viele engagierte Kollegen oft an ihrer Belastungsgrenze und nicht selten darüber hinaus arbeiten.

Damit die Rahmenbedingungen in den Altenheimen verbessert werden, müssten Politik und Kostenträger für mehr fachliche und personelle Ressourcen sorgen, um eine qualifizierte palliative Pflege zu ermöglichen. Unter www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de können Patienten und Angehörige unter anderem die Adressen von SAPV-Teams recherchieren.

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Woody Allen: Without Feathers, darin: Death. A Play; “Ärztlich assistierter Suizid. Reflexionen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin”, DGP, Stand: Januar 2014; Professor Dr. Eberhard Aulbert, Professor Dr. Friedemann Nauck und Professor Dr. Lukas Radbruch: „Lehrbuch der Palliativmedizin“, Schattauer 2012; Christiane Grefe: Am Ende, in: Die Ziet Nr. 05/2015, 13.02.2015, zit. n.: www.zeit.de/2015/05/palliativmedizin-tod-betreuung-lebensqualitaet/; Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zit. n.: www.diakonie.de/diakonie-praesident-luecken-in-der-palliativen-versorgung-16417.html; Gemeinsamer Bundesausschuss zu SAPV zit. n.: https://www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/sapv/; abgerufen im August 2015