Hightech auf dem Nasenrücken

Modernen Gleitsichtbrillen sieht man nicht an, dass sie unterschiedliche Sehzonen haben. (Foto: Milles Studio / Fotolia)
Modernen Gleitsichtbrillen sieht man nicht an, dass sie unterschiedliche Sehzonen haben. (Foto: Milles Studio / Fotolia)

Moderne Gleitsichtbrillengläser sorgen für maximalen Sehkomfort

(dbp/wgt) Mehr als 40 Millionen Deutsche tragen eine Brille. Und immerhin neun von zehn Brillenträgern sind davon überzeugt, dass es für jeden auch die richtige Brille gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS).

„Modische Gestelle machen die Brille heute für viele zum beliebten Accessoire, und leichte kratzfeste Kunststoffe haben das Mineralglas weitgehend abgelöst“, erläutert Giovanni di Noto vom Zentralverband der Augenoptiker (ZVA). Eine neue Generation von Hightech-Brillengläsern, die bei der Herstellung von Gleitsichtbrillen zum Einsatz kommt, erhöht überdies den Sehkomfort.

Fließende Übergänge zwischen den Schärfezonen

Die Gleitsichtgläser verbinden die Eigenschaften einer Fern- und Nahbrille und bieten Altersweitsichtigen den Vorteil, dass sie zum Lesen nicht ständig die Brille wechseln müssen. Die Übergänge zwischen dem Nah- und Fernbereich sind bei diesen Gläsern fließend. „Das macht es möglich, auch auf den Zwischendistanzen scharf zu sehen“, betont Giovanni di Noto. Damit kommen die Gleitsichtbrillen dem natürlichen Sehen relativ nahe. Außerdem bleiben die einzelnen Schärfezonen für den Betrachter unsichtbar.

Dadurch unterscheiden sich die Gleitsichtbrillen von den herkömmlichen Bifokalbrillen, bei denen die Gläser für die verschiedenen Sehentfernungen deutlich sichtbar voneinander abgesetzt sind: oben für die Ferne, unten für den Nahbereich. Das führt nicht nur zu irritierenden Bildsprüngen und den entsprechenden Unschärfen bei mittleren Entfernungen, sondern wird oft auch als ästhetisch störend empfunden.

Doch nicht für jeden ist der Umstieg auf die modernen Gleitsichtbrillen problemlos möglich. So führen die durch den Aufbau der Gläser bedingten Verzerrungen an den Rändern und der „Schaukeleffekt“ beim Treppensteigen gelegentlich zu einer „Unverträglichkeit gegen Gleitsichtbrillen“, weiß Giovanni di Noto.

Nahsehen auf Fingerdruck

Mit den ersten elektronisch fokussierenden Gleitsichtgläsern geht die Brillentechnik mittlerweile noch einen Schritt weiter. Bei der Neuentwicklung aus den USA handelt es sich um Gläser für die Ferne, die bei leichtem Druck auf den Brillenbügel im unteren Teil auf den Nahbereich wechseln. Durch erneuten Druck wird die Naheinstellung wieder ausgeschaltet. Möglich machen das Flüssigkeitskristalle im Brillenglas, mit denen sich die Lichtbrechung der Linse ändern lässt. Die Nahstärke kann aber auch über einen Automatikmodus aktiviert werden. Dabei messen Sensoren in der Brille, ob der Träger seinen Blick senkt oder geradeaus richtet und stellen automatisch die Nahstärke ein oder aus.

Die elektronischen Brillengläser bieten den Vorteil, dass die Naheinstellung dann zugeschaltet werden kann, wenn sie wirklich gebraucht wird und ansonsten nicht stört. Auf dem deutschen Markt ist die neue Technik bislang noch nicht erhältlich, bestätigt Wolfgang Müller, stellvertretender Landesinnungsobermeister der Landesinnung der Augenoptiker und Optometristen in Niedersachsen und Bremen: „Die Genauigkeit entspricht noch nicht den Anforderungen, die wir an Gleitsichtgläser stellen.“