Herzschwäche wird unterschätzt

Ungewohnte Atemnot bei körperlicher Anstrengung sollte ein Anlass für einen Arzttermin sein. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)
Ungewohnte Atemnot bei körperlicher Anstrengung sollte ein Anlass für einen Arzttermin sein. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)

Typische Symptome sind Atemnot beim Treppensteigen und Ödeme am Unterschenkel

(dbp/auh) Mehr als 40 Prozent aller jährlichen Todesfälle in Deutschland gehen auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zurück. 2012 starben 349.217 Menschen an einer Herz- oder Gefäßkrankheit, davon 46.410 an Herzinsuffizienz. Damit ist die Herzschwäche nach der koronaren Herzkrankheit (KHK) und dem Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Das Kompetenznetz Herzinsuffizienz schätzt die Gesamtzahl der an Herzschwäche leidenden Menschen in Deutschland auf zwei bis drei Millionen. Jedes Jahr müssen mehr als 370.000 Patienten zur stationären Behandlung ins Krankenhaus.

Dennoch kommt der Herzschwäche nicht die entsprechende Aufmerksamkeit zu, beklagt der Kardiologe Professor Michael Böhm im Sonderband „Herzschwäche“ der Deutschen Herzstiftung. Böhm gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung an und leitet die Klinik für Innere Medizin des Uniklinikums in Homburg/Saar. „Die Patienten neigen dazu, Atemnot, Leistungsschwäche und Knöchelödeme nicht wahrzunehmen oder auf das Alter zu schieben“, sagt der Herzspezialist.

Zur Sicherheit zum Arzt

Ja, aber ist es denn nicht ganz normal, dass man im Alter nicht mehr so unbeschwert wie früher die Treppen hinaufspringt? Dass einem das Tragen von Bierkasten oder Wäschekorb schwerer fällt, als in jungen Jahren? Genau deshalb rät Professor Böhm jedem, der unter Atemnot leidet, einen Arzt aufzusuchen, um auf Nummer sicher zu gehen. „Wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Herzschwäche besteht, hat der Hausarzt die Aufgabe, den Patienten an einen Kardiologen zu überweisen“, betont der Mediziner.

Risikofaktoren sind vermeidbar

Bei der Therapie steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Das bedeutet: Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Krankheit. In etwa 70 Prozent der Fälle entwickelt sie sich aus der koronaren Herzkrankheit (KHK) oder aus einem langjährig bestehenden Bluthochdruck. Nur bei einem kleineren Teil der Patienten sind Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündung oder angeborene Herzfehler die Ursachen.

Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich wiederum gute Ansätze für eine Prävention der Herzschwäche. Denn sowohl die KHK (Verengung der Herzkranzgefäße, Arteriosklerose) als auch der Bluthochdruck werden von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigt, die jeder selbst beeinflussen kann.

Professor Böhm zitiert eine Langzeitstudie aus den USA, die zu dem Ergebnis kam, dass ein „gesunder Lebensstil“ (unter anderem Rauchverzicht, normales Körpergewicht, fünfmal die Woche Ausdauertraining) das Herzschwäche-Risiko halbieren kann.