Herzschwäche: Die Krankheit fest im Griff

Dass Herzschwäche-Patienten ihre Medikamentendosis eigenmächtig verändern, ist oft die Ursache für Klinikeinweisungen. (Foto: K. Selle/Fotolia)
Dass Herzschwäche-Patienten ihre Medikamentendosis eigenmächtig verändern, ist oft die Ursache für Klinikeinweisungen. (Foto: K. Selle/Fotolia)

Wie Patienten mit Herzinsuffizienz Klinikaufenthalte vermeiden.

(dbp/spo) Wenn Menschen in Deutschland ins Krankenhaus müssen, dann ist eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), deren Verlauf sich verschlechtert, einer der häufigsten Gründe. Viele dieser Klinikaufenthalte würden sich allerdings vermeiden lassen, sagt Professor Dr. Thomas Meinertz, der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung. Die Patienten müssten nur einige Dinge beachten.

1. Medikamente richtig einnehmen

Der wohl häufigste Grund, warum sich die Krankheit verschlechtert, ist, weil Patienten ohne Absprache ihre Medikamente absetzen oder die Dosis reduzieren. „Fast alle versuchen das“, sagt Professor Meinertz. „So nach dem Motto: ,Es ist ja schon viel besser geworden.‘ Oder sie leiden unter Nebenwirkungen.“ Das eigenmächtige Absetzen kann aber gefährlich werden: Einige Medikamente dienen zur Entlastung des geschwächten Herzens. Werden sie abgesetzt, kann die Pumpleistung einbrechen. Wer unter Nebenwirkungen leidet, sollte das unbedingt mit seinem Arzt besprechen. Oft gibt es nämlich medikamentöse Alternativen oder andere Lösungen.

2. Täglich wiegen und auf Atemnot achten

Lässt die Pumpleistung des Herzens nach, können sich Wassereinlagerungen (Ödeme) bilden. Sie treten teils sichtbar in Beinen oder Füßen auf, teils aber auch unsichtbar in Organen wie der Lunge. Beim täglichen Wiegen fallen Ödeme schnell auf. Denn: „Gewichtsänderungen sind bei Patienten mit Herzinsuffizienz fast immer auf Wasser zurückzuführen“, so der Herzspezialist. Wer innerhalb von drei Tagen mehr als zwei Kilogramm zunimmt, sollte seinen Arzt aufsuchen, der dann gegebenenfalls entwässernde Medikamente (Diuretika) verabreicht.

Ein Hinweis auf Wasser in der Lunge ist zudem verstärkte Kurzatmigkeit unter körperlicher Belastung. Typisch ist auch, dass Patienten sich zum Schlafen ein Kissen unterlegen, damit der Oberkörper aufrechter liegt. So kann mehr Flüssigkeit aus der Lunge abfließen und das Atmen fällt leichter. Auch das ist ein Anlass, zum Arzt zu gehen.

3. Regelmäßig Blutdruck messen

„Je niedriger der systolische Blutdruck, umso mehr wird das Herz entlastet“, sagt der Herzspezialist. „Die oberen (systolischen) Werte sollten am besten zwischen 110 und 130, die unteren (diastolischen) zwischen 70 und 80 mmHg liegen.“ Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle ist wichtig, um Veränderungen zu erkennen. Zwar sind Schwankungen normal – schließlich sollen die Werte ja bei Belastung steigen. Bedenklich wäre aber, wenn etwa der obere Wert im Ruhezustand auf einmal auf 160 oder 180 mmHg steigt.

4. Sport treiben

„Das ist fast die wichtigste Maßnahme“, sagt Professor Meinertz. Studien belegen, dass leichtes Ausdauertraining bei Herzschwäche-Patienten die Zahl der Klinikaufenthalte senkt. „Eine halbe Stunde Aktivität pro Tag, das reicht von raschem Gehen bis zum Fahrradfahren“, sei zu empfehlen. Ideal sind Herzsportgruppen, die auf die Bedürfnisse von Herzpatienten eingehen. Allerdings sollte jede Art von Sport im Vorfeld mit dem Arzt abgesprochen werden.