Herr über die eigenen Sinne werden

Der Teddy sorgt für das taktile Neurofeedback. (Foto: BEE Medic GmbH EEG Info)
Der Teddy sorgt für das taktile Neurofeedback. (Foto: BEE Medic GmbH EEG Info)

Beim Neurofeedback-Training lernen Patienten, ihre Gehirnaktivitäten zu steuern

(dbp/auh) Der Lernfähigkeit des Menschen sind kaum Grenzen gesetzt. Mit dem „richtigen“ Training ist es sogar möglich, Körperfunktionen wie Blutdruck oder Schmerzreaktionen zu beeinflussen. Die Biofeedback-Behandlung nutzt dieses Potenzial zur Linderung von zahlreichen Beschwerden – ganz ohne Medikamente und ohne das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen.

Das Ziel: Unwillkürliche Abläufe bewusst wahrnehmen lernen und in die gewünschte neue Richtung steuern können. Die Methode: Prozesse, die automatisch im Körper ablaufen, werden dem Patienten sichtbar oder auch hör- und spürbar gemacht, also zurückgespielt (Feedback).

Schmerzfreie Messung der Gehirnströme

Neurofeedback ist eine Biofeedback-Methode, bei der die Steuerung der Gehirnaktivitäten auf dem Lernprogramm steht. Das Training wird auch EEG-Biofeedback genannt, denn es basiert auf der Messung der Gehirnströme mittels Elektroenzephalogramm (EEG). Neurofeedback wird von speziell ausgebildeten Therapeuten angeboten, zum Beispiel von Ärzten, Psychotherapeuten, Heilpraktikern oder Ergotherapeuten.

Es eignet sich nach Angaben des „Instituts für EEG-Neurofeedback“ im Prinzip zur Behandlung von allen Störungen, die mit dem Zentralnervensystem in Verbindung stehen. Das können unter anderem folgende Krankheitsbilder sein: AD(H)S, also Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität, Lern- und Entwicklungsstörungen, chronische Schmerzen (Migräne, Fibromyalgie), Angststörungen (auch Prüfungsangst), Depressionen, Stress, Panikattacken, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Autismus (auch Asperger), Epilepsie. Auch in der Rehabilitation nach Schlaganfall oder nach Kopfverletzungen ist Neurofeedback eine Therapieoption.

Computerbildschirm zeigt Animation

Abhängig von der zu behandelnden Störung und je nach Hersteller der technischen Ausstattung kann die Trainingssituation variieren. Zunächst werden am Kopf Elektroden zur Messung der Gehirnströme befestigt. Das Feedback erfolgt stets visuell, das heißt die Frequenzen werden auf einem Computerbildschirm in Form von Animationen dargestellt. Je nach Wunsch können das bewegte Grafiken oder Elemente aus Computerspielen sein. Die Rückmeldung erfolgt meist auch akustisch. Das taktile Feedback mittels eines vibrierenden Stofftiers (Teddy oder Katze) ist eine weitere Option. „Erfahrungsgemäß erleichtert es Kindern oft den Einstieg in das Neurofeedback-Training“, so Svenja Reiniger vom „Neurofeedback Netzwerk“.

Immer, wenn das Gehirn ein erwünschtes Aktivitätsmuster zeigt, wird der Patient mit angenehmen Rückmeldungen „belohnt“, also mit einer positiven Animation und wohltuenden Tönen. Auf diese Weise lernt der Patient im Verlauf mehrerer Sitzungen, wie störende Symptome selbst reguliert werden können.

Die Bundesärztekammer stellte bereits vor sieben Jahren in einer offiziellen Stellungnahme zum Thema ADHS fest, dass „Neurofeedback zu einer signifikanten Reduktion von Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität führt“.

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Informationen des Neurofeedback Netzwerkes, www.neurofeedback-netzwerk.org; Informationen der BEE Medic GmbH EEG Info Deutschland, www.eeginfo-neurofeedback.de/neurofeedback/was-ist-neurofeedback.html, link Mitte Oktober nicht mehr abrufbar, neue URL: www.neurofeedback-info.de; Besuch einer Neurofeedback-Demonstration auf der Düsseldorfer Messe RehaCare am 25.09.2013; Informationen der Akademie für Neurofeedback, www.akademie-neurofeedback.de; Bundesärztekammer: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“, 26. August 2005; alle Informationen abgerufen im Oktober 2013