Heftige Regelschmerzen sind nicht normal

Jede Frau erlebt die Monatsblutung anders. Aber heftige Schmerzen sollten nicht einfach hingenommen werden. (Foto: picsfive / Fotolia)
Jede Frau erlebt die Monatsblutung anders. Aber heftige Schmerzen sollten nicht einfach hingenommen werden. (Foto: picsfive / Fotolia)

Viele Frauen leiden unter Endometriose, ohne es zu wissen

(dbp/auh) Starke Unterleibsschmerzen während der Menstruation oder kurz davor sind nicht normal. Viele Frauen wissen das nicht und plagen sich oft jahrzehntelang mit sogenannten Monatsschmerzen herum. So wie Elke S. „Das liegt bei uns in der Familie. Meine Mutter und meine Oma hatten das auch so schlimm“, sagt die heute 49-Jährige. Seit ihrer ersten Regelblutung leidet Elke unter extrem schmerzhaften Krämpfen. Weil sie sich nicht alle vier Wochen krankschreiben lassen will, nimmt sie starke Schmerzmittel gegen die Bauchschmerzen. Nur so kann sie zur Arbeit gehen.

„Bei manchen Frauen ist das eben so, da kann man nichts machen“, denkt Elke. Gegen diese weit verbreitete Haltung richtet sich eine Aufklärungskampagne der Deutschen Endometriose-Vereinigung. Unter dem Motto: „Regelschmerzen sind nicht normal“ will die Patientenorganisation auf eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen aufmerksam machen, die dennoch viel zu wenig bekannt ist: die Endometriose.

Familiäre Häufung

Auch bei Elke S. könnte Endometriose die Ursache für ihre Schmerzen sein. Denn die familiäre Häufung ist eines der Kennzeichen der Krankheit. Es gibt aber bisher keine Hinweise für eine direkte Vererbung, teilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit.

Was die Endometriose auslöst, weiß man nicht genau. Aber man kann gut beschreiben, was passiert: Die Gebärmutterschleimhaut (griechisch: Endometrium) beginnt, auch außerhalb der Gebärmutter, in Form von kleinen Schleimhautinseln zu wachsen. Meist sind die im unteren Bauch- und Beckenraum benachbarten Organe betroffen, zum Beispiel die Eierstöcke. „Prinzipiell kann das Endometrium an jeder Stelle im Körper wachsen“, erläutert der Berufsverband der Frauenärzte (www.frauenaerzte-im-netz.de).

Schleimhaut wuchert zyklisch

Genau wie das Endometrium in der Gebärmutter sind auch die versprengten Endometrioseherde bezüglich ihres Wachstums dem hormonell gesteuerten Monatszyklus unterworfen. Das erklärt, warum die Endometriose oft nicht als Krankheit erkannt, sondern für „normalen“ Regelschmerz gehalten wird. Tritt die Regelblutung ein, bluten auch die kleinen Schleimhautinseln in den anderen Organen mit. Da das Blut aber nicht richtig abfließen kann, kann es zur Bildung von Zysten kommen.

Gefahr: Unfruchtbarkeit

In sehr ausgeprägten Formen der Endometriose können Verklebungen zwischen Gebärmutter, Eileitern, Eierstöcken, Harnblase und Darm die Folge sein. Die Erkrankung gilt als eine der wichtigsten Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit. Bei etwa 40 bis 60 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, steckt eine Endometriose dahinter.

Schmerzen sind kein Schicksal

Starke Regelschmerzen sollten daher nicht einfach als schicksalsgegeben hingenommen werden. Die Endometriose-Vereinigung rät in jedem Fall zu einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt. „Die Art und das zeitliche und örtliche Auftreten der Beschwerden gibt schon einen ersten Hinweis und bestimmt auch das weitere diagnostische Vorgehen“, erklärt die Patientenvereinigung.

Bei Verdacht auf Endometriose folgen Tast- und Ultraschalluntersuchungen, in einigen Fällen können weitere Verfahren wie Darmspiegelung, CT oder MRT weiterhelfen. Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist für eine sichere Diagnosestellung unerlässlich. Dabei handelt es sich zwar um einen minimal-invasiven Eingriff, er ist aber wie jede Operation unter Narkose mit Risiken verbunden. Laut IQWiG sollte die Bauchspiegelung daher nur erfolgen, wenn starke Schmerzen die Lebensqualität und den Alltag massiv beeinträchtigen oder wenn die Endometriose die Funktion anderer Organe beeinflusst.