Die Haut als Hormondrüse

Pickel und Mitesser werden durch Hormone stimuliert. (Foto: sumnersgraphicsinc / Fotolia)
Pickel und Mitesser werden durch Hormone stimuliert. (Foto: sumnersgraphicsinc / Fotolia)

Die Dermato-Endokrinologie erforscht das Zusammenspiel von Haut und Hormonen

(dbp/auh) Hormonelle Veränderungen schlagen sich im Hautbild nieder. Wenn die Hormone in der Pubertät Purzelbäume schlagen, beginnen die Pickel zu sprießen. Auch in der Schwangerschaft sind Hautveränderungen zu beobachten. Die Haut spiegelt aber nicht nur hormonelle Vorgänge, sondern sie stellt auch selbst Hormone her. Mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Haut und Hormonen beschäftigt sich eine relativ junge Disziplin, die Dermato-Endokrinologie.

Wie Haut und Hormone sich gegenseitig beeinflussen, ist noch längst nicht abschließend erforscht, meint Professor Christos C. Zouboulis, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Städtischen Klinikum Dessau. Kaum ein Spezialgebiet der Medizin habe jedoch in den vergangenen Jahren eine solche positive Entwicklung erfahren wie die Dermato-Endokrinologie. Gemeinsam mit dem Endokrinologen Professor Stefan R. Bornstein, Direktor des Zentrums für Innere Medizin am Dresdner Universitätsklinikum, verfasste Zouboulis kürzlich einen Aufsatz für die Deutsche Medizinische Wochenschrift, in dem er die Haut als „größte Hormondrüse des menschlichen Körpers“ bezeichnet.

Die Haut produziert 30 Hormone

Gerechtfertigt sei diese Einschätzung durch neue Erkenntnisse über die Aktivität in den Zellen der Haut. Nicht nur Vitamin D, das ja eigentlich ein Hormon ist, wird in der Haut unter Einwirkung von UV-B-Licht produziert. Professor Zouboulis zählt mehr als 30 weitere Hormone auf, die in den verschiedenen Zellen von Haut und Unterhautfettgewebe gebildet werden.

Die Haut produziert unter anderem Beta-Endorphine, die den Schmerz lindern, das Melanozyten-stimulierende Hormon, das die Hautpigmentierung fördert, Adrenokortikotropes Hormon (ACTH), das unter anderem die Kortisonbildung in der Nebenniere steuert, sowie Geschlechtshormone, die über die Schweiß- und Talgdrüsen sexuelle Signale aussenden können.

Schatz: „nur geringe Mengen“

Dass es in der Haut Rezeptoren für Peptid- und Neurohormone, Steroid- und Schilddrüsenhormone gibt, sei bekannt, so Professor Roland Kaufmann, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Neu ist nach Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) die Erkenntnis, dass Hormone auch in der Haut produziert werden. Dazu erklärt Professor Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE: Verglichen mit den eigentlichen endokrinen Drüsen wie Schilddrüse oder Nebenniere handelt es sich allerdings um geringe Mengen.

Nach dem Erlöschen der Eierstockfunktion stelle die Produktion der weiblichen Hormone im Unterhautfettgewebe allerdings einen relevanten Anteil des insgesamt sehr niedrigen Östrogenspiegels.

Schatz bilanziert: Die Haut ist unbestritten eine Hormondrüse, aber: „Wie sich Haut und Hormone wechselseitig beeinflussen und welchen Anteil die ‚Eigenproduktion‘ am gesamten System hat, muss jedoch noch weiter erforscht werden.“