Gut sehen ist im Alter besonders wichtig

Die Vermessung des Auges gehört zu den Voruntersuchungen der Kataraktoperation. (Foto: Berufsverband der Augenärzte)
Die Vermessung des Auges gehört zu den Voruntersuchungen der Kataraktoperation. (Foto: Berufsverband der Augenärzte)

Wer am Grauen Star leidet, sollte mit der Operation nicht zu lange warten

(dbp/auh) Mit dem Grauen Star (Katarakt) ist es wie mit vielen Krankheiten: Es erwischt (fast) jeden, wenn er nur alt genug wird. Etwa 90 Prozent der über 65-Jährigen haben einen Grauen Star. Die gute Nachricht: Mit einer Operation, die mittlerweile zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland zählt, ist die Krankheit „heilbar“: Die eingetrübte Linse wird entfernt und durch eine künstliche ersetzt, eine sogenannte Intraokularlinse.

Symptome der Katarakt sind langsam zunehmende Sehstörungen und starke Blendungserscheinungen. In fortgeschrittenem Stadium haben die Patienten den Eindruck, sie sehen alles wie durch eine Milchglasscheibe. Die Operation des Grauen Stars (Kataraktoperation) wird ambulant und mit minimalinvasiven Methoden durchgeführt. Sie dauert nur etwa 20 Minuten. Für die örtliche Betäubung ist keine Spritze erforderlich, in der Regel genügen Betäubungstropfen. Wenn nicht, wird die Bindehaut zusätzlich mit einem Gel unterspült. Wenige Millimeter klein ist der Schnitt, der nur ganz selten genäht werden muss.

Bei Monofokallinsen zahlt alles die Kasse

Die Methode, mit der die kranke Linse entfernt wird, nennt man Phakoemulsifikation, das heißt sie wird verflüssigt und anschließend abgesaugt. In den nun leeren Kapselsack wird die Intraokularlinse eingesetzt; die meisten haben kleine Bügelchen zur Befestigung. Zur Wahl stehen Monofokallinsen oder zahlreiche verschiedene „Extra-Linsen“, die auch extra bezahlt werden müssen. Monofokallinsen ermöglichen scharfes Sehen entweder in der Ferne oder in der Nähe. Das heißt, auch nach erfolgreicher OP benötigt der Patient in der Regel eine Sehhilfe.

Mit der Entfernung der getrübten Linse ist der Graue Star dauerhaft beseitigt. Er kann nicht wiederkommen. Allerdings kann das Häutchen hinter der Linse eintrüben. Kommt es durch diesen sogenannten Nachstar zu einer deutlichen Sehschärfenminderung, muss noch mal (ambulant) operiert werden. Der Nachstar wird mit einem schmerzfreien, nur wenige Minuten dauernden Lasereingriff dauerhaft beseitigt.

Die Katarakt schreitet unaufhörlich voran

Obwohl die Kataraktoperation für den Patienten denkbar unkompliziert ist, schrecken viele ältere Menschen davor zurück. Doch während der Eingriff hinausgezögert wird, schreitet der Verlust der Sehkraft unaufhörlich weiter voran. Insbesondere solche Tätigkeiten, die eine Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben bedeuten, können nur noch erschwert oder bald gar nicht mehr ausgeübt werden: Lesen, ins Kino oder ins Theater gehen, Reisen.

Dr. Kaweh Schayan-Araghi, ärztlicher Leiter der Artemis-Augenklinik in Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschland (BVA) machte kürzlich auf eine weitere Gefahr aufmerksam: Wer schlecht sieht, fällt auch eher hin und bricht sich leichter etwas. Eine Studie habe laut Dr. Schayan-Araghi den Zusammenhang untersucht und festgestellt, dass das Risiko der operierten Patienten, sich im Jahr nach dem Eingriff den Oberschenkelhals zu brechen, um 16 Prozent niedriger war als bei nicht operierten Patienten.

Natürlich ist nicht jede Verschlechterung der Sehfähigkeit im Alter auf den Grauen Star zurückzuführen, aber jede sollte vom Augenarzt untersucht werden. Der BVA rät allen Menschen ab 40 – auch ohne Beschwerden – sich einmal im Jahr einer augenärztlichen Kontrolle zu unterziehen. Denn viele Augenkrankheiten werden zu spät entdeckt. Nicht nur der Graue Star, auch der Grüne Star (das Glaukom) und die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) lassen sich nach Angaben des BVA bei einer frühzeitigen Diagnose gut behandeln.

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