Gut gewappnet in die Chemotherapie

Auf mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie werden Patienten gut vorbereitet. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)
Auf mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie werden Patienten gut vorbereitet. (Foto: Photographee.eu / Fotolia)

Viele gefürchtete Nebenwirkungen können heute vermieden oder gemildert werden

(dbp/auh) Wenn die Angst vor den Nebenwirkungen größer ist, als das Vertrauen in die Wirksamkeit einer Therapie, kann sich das auf den Behandlungserfolg negativ auswirken. Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs ist es daher besonders wichtig, dass die Therapie vom Patienten nicht als zusätzliche Bürde empfunden wird. Doch gerade mit der Chemotherapie verbinden viele Menschen immer noch an erster Stelle die belastenden Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen. Dabei haben sich im klinischen Alltag längst neue Medikamente und individuell angepasste Strategien bewährt, mit denen diese und andere Beschwerden gemildert oder sogar ganz verhindert werden können.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Chemotherapie im engeren Sinn bezeichnet die Gabe von bestimmten Medikamenten, sogenannten Zytostatika. Sie heißen so, weil sie das Zellwachstum zum Stillstand bringen. Die meisten Zytostatika sind „nicht wirklich“ krebsspezifisch wirksam, wie es der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums formuliert. Daher werden auch gesunde Zellen unter der Chemotherapie angegriffen. Das ist einer der Gründe für die zahlreichen, sehr unterschiedlichen Nebenwirkungen.

Neben Haarausfall gehört das ANE-Syndrom zu den früher unvermeidlichen Begleiterscheinungen der Chemotherapie. ANE ist das Akronym für die drei Symptome Anorexie (Appetitlosigkeit), Nausea (Übelkeit) und Emesis (Erbrechen). Das ANE-Syndrom ist für die Patienten extrem belastend, denn es schwächt den Körper und führt zu unerwünschter Gewichtsabnahme. Seit einigen Jahren gibt es gezielte Medikamente, die diese Beschwerden gar nicht oder nur in abgemilderter Form aufkommen lassen. Sie werden bereits vor Beginn der Chemo zur Vorbeugung gegeben und wirken zuverlässig. „Damit ist das ANE-Syndrom viel besser beherrschbar“, berichtet Professor Bernhard Wörmann, medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).

Patientenwunsch wird berücksichtigt

Professor Wörmann, der neben seiner Tätigkeit für die DGHO auch als Arzt an der Berliner Charité arbeitet, weiß aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung die Fortschritte in der Krebstherapie zu schätzen. „Heute stehen uns rund 140 in Deutschland zugelassene Tumormedikamente zur Verfügung“, erläutert der Onkologe. Darunter seien gleich wirksame Medikamente mit einem jeweils verschiedenen Nebenwirkungsspektrum. Daraus ergeben sich Auswahlmöglichkeiten, das heißt die Zytostatika-Zubereitungen können nicht nur an die unterschiedlichen medizinischen Erfordernisse, sondern auch an die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Patienten angepasst werden.

Wenn zum Beispiel eine Frau aus beruflichen Gründen keinen Haarausfall tolerieren kann, besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, auf eine Zytostatika-Mischung mit einem geringen Haarausfallrisiko zurückzugreifen.

Manchmal muss gar nicht der Wirkstoff ausgetauscht, sondern nur die Art der Verabreichung gewechselt werden, um bestimmte unerwünschte Nebenwirkungen auszuschließen, erklärt Professor Wörmann am Beispiel von 5-FU. Dieses Zytostatikum wird bei Dickdarmkrebs eingesetzt. Man kann es als Infusion geben oder in Tablettenform, was für manche Patienten bequemer ist, da sie die Therapie dann zu Hause machen können. Wird 5-FU aber oral verabreicht, tritt in vielen Fällen das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom auf, das sind schmerzhafte Rötungen an Handflächen und Fußsohlen.

Vor der Chemotherapie-Planung werden alle diese Faktoren mit dem Patienten erörtert, sodass er mitentscheiden kann und nicht unvorbereitet in die Behandlung geht.