Große Krampfadern am besten ausschalten

Die Radiowellentherapie ist eines der  Verfahren zur Behandlung von Krampfadern. (Grafik: Henrie / Fotolia)
Die Radiowellentherapie ist eines der Verfahren zur Behandlung von Krampfadern. (Grafik: Henrie / Fotolia)

Ist der Rücktransport des Blutes stark gestört, wird eine Operation empfohlen

(dbp/mhk) Etwa 50 Prozent der Menschen leiden im Laufe ihres Lebens an Venenerkrankungen. In der Regel ungefährlich sind die sogenannten Besenreiser, kleinste erweiterte Venen unter der Haut, die nur kosmetisch stören, aber keine Beschwerden machen. Unter Krampfadern (Varizen) leiden der Deutschen Venen-Liga (DVL) zufolge etwa 19 Prozent der Deutschen. Nur jede sechste Venenerkrankung ist genetisch bedingt; häufigere Ursachen sind das Alter, Übergewicht und Schwangerschaften.

Bleibt das Leiden unbehandelt, drohen Spätfolgen: geschwollene Beine, Venenentzündungen, Thrombosen, Hautverfärbungen oder offene Beine. Doch was kann man tun? Professor Dr. Sebastian Schellong, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA) aus Dresden: „Operiert werden sollte dann“, so Schellong, „wenn sich Krampfadern wiederholt entzünden und der Blut-Rücktransport durch das Krampfaderleiden dauerhaft stark gestört wird.“

Auf kranke Venen kann der Körper verzichten

Meistens sei es sinnvoll, große Krampfadern auszuschalten. Für den Körper bedeutet der Verzicht auf das kranke Gefäß keinen Verlust. Dabei sei immer die Einschätzung eines geschulten Arztes wichtig. „Ein optisch sichtbarer Befund, erkennbar an der Haut als bräunliche Verfärbung am Innenknöchel, und die Symptome des Patienten haben dann gesundheitlich relevante Bedeutung“, sagt der Experte. Krampfadern ohne medizinischen Krankheitswert können zur Steigerung des Wohlbefindens der Betroffenen kosmetisch behandelt werden.

Die Kasse zahlt nicht jede Methode

Bei erforderlichen Eingriffen seien alle Verfahren im Prinzip gleich gut: Bei der klassischen operativen, oft schmerzhaften Methode, dem Stripping, werden Venen mit einem Schnitt freigelegt. Die Kosten für das Stripping werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen; die anderen Methoden müssen gesetzlich Versicherte in vielen Fällen selbst bezahlen. „Bei Verfahren wie Laser, Verödung oder Radiofrequenztherapie (Radiofrequenz-Obliteration, RFO) wird ein innerer Entzündungsvorgang hervorgerufen und die Vene zugemacht“, differenziert der Experte. Die Verödung (Sklerosierung) ist sanft und unbedenklich, aber nur bei sichtbaren und oberflächlichen Krampfadern möglich.

Bei dem seit vielen Jahren bewährten VNUS-Closure-Verfahren (RFO) wird durch kontrollierte Erhitzung das Kollagen in den Venenwänden geschrumpft, diese verkleben und das erkrankte Gefäß verschließt sich. Das Blut sucht sich neue Wege über gesunde Venen. Überreste des kranken Gefäßes baut der Körper innerhalb weniger Wochen restlos ab. „Diese genannten Verfahren haben sich wirklich bewährt“, sagt der Angiologe.

Krampfaderentfernungen erfolgen in der Regel ambulant. Allen Eingriffen gemeinsam ist, dass der Patient danach einige Wochen Kompressionsstrümpfe tragen muss und anschließend oft ein gerinnungshemmendes Medikament bekommt, damit keine Thrombosen entstehen.

Die Kompressionsbehandlung, auch konservative, bewahrende Therapie genannt, ist die Basisbehandlung venöser Beinleiden. „Bei bestimmten Formen von Krampfadern, auch nach einer Thrombose oder bei starker Rücktransportstörung des Blutes aufgrund orthopädischer Erkrankung sind medizinische Prophylaxestrümpfe sehr wirksam und effektiv“, sagt der Gefäßspezialist, „aber nur, wenn sie individuell nach Andruck an der Fessel angemessen und hergestellt werden“.

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