Große Gefühle beeinflussen den Geschmack

Angriff auf die Chipsschüssel: Wer grundsätzlich eher negativ eingestellt ist, verliert bei emotionalen Fernsehsendungen offenbar schneller die Kontrolle über sein Essverhalten. (Foto: Bilderbox)
Angriff auf die Chipsschüssel: Wer grundsätzlich eher negativ eingestellt ist, verliert bei emotionalen Fernsehsendungen offenbar schneller die Kontrolle über sein Essverhalten. (Foto: Bilderbox)

(dbp/spo) Im Fernsehen läuft ein trauriger Film, bei dem man intensiv mitleidet und plötzlich ist die Chipstüte leergefuttert. Menschen mit einer eher negativen Grundstimmung verlieren in solchen Momenten offenbar schneller die Kontrolle über ihr Essverhalten als andere.

Das haben Wissenschaftler der Würzburger Julius-Maximilians-Universität herausgefunden.

Den Versuchsteilnehmern wurden verschiedene Filmausschnitte mit neutralen, traurigen und auch lustigen Szenen gezeigt. Davor und danach mussten sie Flüssigkeiten trinken und bestimmen, wie süß, sauer oder bitter diese schmecken. Darüber hinaus sollten sie den Fettgehalt von Milch anhand des Geschmacks bewerten.

Fettgehalt nicht mehr unterscheidbar

Das Ergebnis: Menschen mit einer tendenziell negativen Grundstimmung konnten nach emotional geladenen Szenen – sei es traurig oder lustig – nicht mehr unterscheiden, ob die Milch fettarm oder normal fett war, obwohl sie dies vorher und auch bei neutralen Szenen konnten. Zudem beurteilten sie bitter und süß schmeckende Flüssigkeiten intensiver.

Das Essverhalten wird also von den Emotionen beeinflusst. Nach Einschätzung der Studienautorin Petra Platte könnte das das übermäßige Naschverhalten mancher Menschen vor dem Fernseher erklären: „Möglicherweise richten Personen, die sich in einer negativen Stimmung befinden, beim Ansehen emotionsgeladener Szenen ihre Aufmerksamkeit viel stärker auf den Film als gut gelaunte Menschen.“ Für „Nebensächlichkeiten“ wie die Bewertung des Fettgehalts von Essen sei dann keine mentale Kapazität mehr da. „Man isst wie automatisch.“