Große Bewegungen bringen Besserung

Dem Muskelabbau entgegenwirken – das ist für Parkinsonpatienten besonders wichtig. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)
Dem Muskelabbau entgegenwirken – das ist für Parkinsonpatienten besonders wichtig. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

Die „Big-Therapie“ kann Parkinson-Symptome lindern

(dbp/ihs) Zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung stehen auch nicht-medikamentöse Therapien zur Verfügung: Krankengymnastik, Ernährungsumstellung und Logotherapie spielen für die Lebensqualität der Patienten eine große Rolle.

Big-Therapie

Nach Angaben von Professor Dr. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, belegen Studien, dass die „Big-Therapie“ bessere Erfolge bringt als eine vergleichbare herkömmliche Krankengymnastik. Big-Therapie ist eine spezielle Form der Krankengymnastik, bei der die Patienten mindestens viermal in der Woche für eine Stunde große, anstrengende Bewegungen ausführen. Besonders im Frühstadium von Parkinson habe sich diese Therapie bewährt, weil die Bewegungen dafür sorgen, dass es weniger Neurodegenerationen gebe. Bei Parkinson komme es zu einem Dopaminmangel, der bestimmte Hirnbahnen störe und dafür sorge, dass die Bewegungen immer kleiner würden. Durch diese spezielle Form der Krankengymnastik könne der Patient aktiv den Krankheitsverlauf hinauszögern. Die Big-Therapie sei eine effektive Ergänzung der medikamentösen Therapie, weil sich Probleme wie Gang- und Gleichgewichtsstörungen nur unzureichend mit Medikamenten lösen lassen.

Eiweißhaltige Ernährung

Bei Parkinson kommt es zu einem Muskel- und Kräfteabbau, wenn die Patienten stark an Gewicht verlieren. „In diesen Fällen“, rät Prof. Trenkwalder, „empfiehlt sich eine kalorische proteinreiche Ernährung.“ Weniger Kohlenhydrate und dafür mehr Eiweiß und Ballaststoffe, also Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat und Obst. Diese Ernährungsumstellung wirke dem Muskel- und Kräfteabbau sowie dem Gewichtsverlust entgegen. „Das Problem bei dieser Ernährung“, räumt Prof. Trenkwalder ein, „sind die Medikamente.“ Die dopaminhaltigen Medikamente könnten vom Darm nur aufgenommen werden, wenn kein Eiweiß da ist. Daher empfehle es sich, die Medikamente eine halbe Stunde vor oder anderthalb Stunden nach den Mahlzeiten einzunehmen. Das erfordere viel Disziplin und könne insbesondere von älteren Menschen, aber auch in Krankenhäusern nicht immer eingehalten werden.

Parkinson-Nurse

Mit fortschreitender Erkrankung verändert sich auch die Stimme der Patienten. Sie wird leise und monoton. Das führt dazu, dass viele soziale Kontakte abbrechen oder gar nicht erst entstehen. „Es ist ganz wichtig“, sagt Prof. Trenkwalder, „dass mit einem Logopäden geübt wird, sich laut und deutlich zu artikulieren.“ Denn sonst würden die Betroffenen sich immer mehr zurückziehen, beispielsweise keine Telefonate mehr führen und vereinsamen. In der Klinik in Kassel seien erstmals vor fünf Jahren sogenannte Parkinson-Nurse-Pflegekräfte eingeführt worden. Diese Pflegekräfte seien speziell für die Pflege von Parkinson-Patienten ausgebildet und mit dem Krankheitsbild Parkinson sehr vertraut. Parkinson-Nurse-Pflegekräfte würden dringend auch im ambulanten Bereich gebraucht. „Ich hoffe“, sagt Prof. Trenkwalder, „dass das in zwei Jahren der Fall sein wird.“