Getrübte Sommerfreuden

Die Ozonbelastung der Atemluft stellt für Asthmatiker ein zusätzliches Problem dar. (Foto: Trueffelpix / Fotolia)
Die Ozonbelastung der Atemluft stellt für Asthmatiker ein zusätzliches Problem dar. (Foto: Trueffelpix / Fotolia)

An heißen Tagen machen hohe Ozonwerte den Atemwegen besonders zu schaffen

(dbp/wgt) Sonne pur und hohe Temperaturen – wochenlang. In diesem Jahr zeigte sich der Sommer von seiner besten Seite, allerdings stieg damit auch die Ozonkonzentration in der Luft. Allergikern mit Atembeschwerden, Asthmatikern und Menschen mit chronischer Bronchitis und Atemwegserkrankungen setzt das aggressive Reizgas besonders zu.

Rund 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung reagieren laut Umweltbundesamt auf erhöhte Ozonwerte empfindlich. Sie zeigen bei steigender Belastung der Luft deutliche Beschwerden der Atemwege mit ausgeprägter Atemnot. Weil Ozon nur eine geringe Wasserlöslichkeit besitzt, wird es von der Schleimhaut in den oberen Atemwegen kaum zurückgehalten. Es dringt in die feinsten Verzweigungen der Bronchien und in die Lungenbläschen ein. Dort kann es zu Reizungen und Entzündungen führen.

Lungenfunktion deutlich eingeschränkt

Derzeit gelten Werte von mehr als 240 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft (µg/m3) als kritisch. Werden sie erreicht, nehmen Reizungen der Atemwege, Husten, Atembeschwerden und die Häufigkeit von Asthmaanfällen zu. Bei empfindlichen Personen kann die Lungenfunktion um bis zu 30 Prozent zurückgehen. Allerdings können bei den besonders Betroffenen schon wesentlich geringere Ozonbelastungen Symptome hervorrufen. Denn wichtig ist nicht allein die Höhe der Ozonwerte, sondern auch die vom Körper aufgenommene Ozonmenge. Und die steigt mit der körperlichen Belastung und der damit verbundenen Häufigkeit und Tiefe der Atemzüge. Außerdem spielt die Dauer der Belastung eine Rolle. Je länger man sich in ozonreicher Luft aufhält, um so höher ist das Risiko.

Deshalb gelten alle Personen als gefährdet, die bei erhöhten Ozonwerten über längere Zeit körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien ausüben. Dazu zählen neben den sportlich Aktiven auch diejenigen, die bei hohen Temperaturen im Freien arbeiten. Denn laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es inzwischen immer mehr Anzeichen dafür, dass die Gefahr chronischer Erkrankungen der Atemwege und der Bronchien zunimmt, je länger Menschen einer Ozonbelastung ausgesetzt sind. Das Umweltbundesamt stellt darüber hinaus fest: „Aus Vorsorgegründen müssen grundsätzlich alle Säuglinge und Kleinkinder als Risikogruppe eingestuft werden, da sie, bezogen auf ihre Körpergröße, ein relativ erhöhtes Atemvolumen haben.“

Zielwerte werden noch zu oft überschritten

Obwohl die Ozonspitzenkonzentrationen in der Luft seit den 1990er Jahren deutlich abgenommen haben, kommt es laut Umweltbundesamt noch immer regelmäßig zu Überschreitungen des im Bundesimmissionsschutzgesetz festgelegten Zielwertes von maximal 120 µg/m3. Allein in den Jahren 2010 bis 2012 wurde der Wert an jeder zehnten Messstation in Deutschland an mehr als 25 Tagen im Jahr überschritten.

Asthmakranke, bei denen die Lungenfunktion bereits vermindert ist, sollten deshalb bei erhöhten Ozonwerten jede zusätzliche Anstrengung im Freien vermeiden. Aber auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Vorsicht geboten. Denn Ozon kann zu einem verminderten Gasaustausch in der Lunge führen und somit Herz- und Kreislaufbeschwerden verschärfen. Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen empfiehlt allen, die gegen Ozon empfindlich sind, bei Werten von mehr als 150 µg/m3 tagsüber zwischen 10 und 19 Uhr auf starke sportliche Belastungen im Freien zu verzichten.

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Landessportbund Nordrhein-Westfalen (2012): Sport bei Ozonbelastung und Hitze. Duisburg. Online: http://www.lsb-nrw.de/lsb-nrw/bewegt-gesund-bleiben-in-nrw/gesundheitsfoerdernder-lebensort-sportverein/tipps-und-empfehlungen-fuer-sportlerinnen/sport-bei-ozonbelastung-und-hitze/; Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen: Die Wirkung von Ozon. Online: http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/luftqualitaet/ozon/wirkung.php; Umweltbundesamt (2013): Luftqualität 2012. Vorläufige Auswertung. Dessau-Roßlau. Online: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4421.pdf; Umweltbundesamt (2011): Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Ozon. Online: http://www.umweltbundesamt.de/luft/schadstoffe/downloads/faqs_ozon_und_sommersmog.pdf; World Health Organization (2013): Review of health aspects of air pollution – REVIHAAP Project. Technical Report. Copenhagen. Online: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0004/193108/REVIHAAP-Final-technical-report.pdf; World Health Organization (2008): Health risks of ozone from long-range transboundary air pollution. Copenhagen. Online: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0005/78647/E91843.pdf; alle Informationen abgerufen im Juli 2013