Gesunde Kinder, gesunde Gesellschaft

Von Geburt an spielen soziale Faktoren dabei eine Rolle, ob ein Kind sich gesund entwickelt oder später Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein wird. (Foto: Herbie / Fotolia)
Von Geburt an spielen soziale Faktoren dabei eine Rolle, ob ein Kind sich gesund entwickelt oder später Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein wird. (Foto: Herbie / Fotolia)

Unsere Kinder sind zwar gut versorgt, aber doch erheblichen Gefährdungen ausgesetzt.

dbp/abz) Grundsätzlich ist alles in Ordnung mit der Gesundheit unserer Kinder. Dies geht zumindest aus dem letzten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Institutes hervor. Den Ergebnissen der Studie zufolge, in deren Rahmen regelmäßig Eltern und Kinder in Deutschland befragt werden, ist die gesundheitliche Situation und die gesundheitliche Versorgung der Kinder in Deutschland als gut bis sehr gut zu bezeichnen.

Gleichzeitig lassen sich aber auch Verbesserungsmöglichkeiten erkennen. So haben längst nicht alle Kinder die gleiche Chance, gesund aufzuwachsen und somit auch nicht die gleiche Perspektive, ein von Krankheit und Gesundheitsstörungen unbelastetes Leben vor sich zu haben.

Jedes fünfte Kind ist benachteiligt

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen schlechteren Gesundheitszustand als die übrigen Kinder haben bzw. größeren Risiken ausgesetzt sind, krank zu werden. Betroffen sind oft Kinder und Ju­gend­li­che, die un­ter schwierigen sozialen Be­din­gung­en aufwachsen. Wer in einem Umfeld ohne Anregung und Unterstützung für die gesundheitliche Entwicklung groß wird, bekommt den Grundstein für gesundheitliche Probleme gelegt, die sich im Lauf des Lebens anhäufen. Dabei wiegen natürlich die Schädigungen, die durch einen ungesunden Lebenswandel schon im Mutterleib entstehen, besonders schwer.

Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestimmen vor allem soziale Einflussfaktoren, wie die Höhe des Ein­kom­mens und der Berufsstatus der Eltern, die Bil­dungs­mög­lich­keit­en so­wie die Wohn- und Um­welt­be­din­gun­gen die Ge­sund­heitsperspektive eines Kindes. Arme Kinder sind also benachteiligt und dabei bedeutet das Aufwachsen in Armut für diese Kinder vor allem ständige Stress-Situationen, die zu Verhaltensstörungen und seelischem Ungleichgewicht mit all den daraus resultierenden gesundheitlichen Gefährdungen führen.

Erfreulich ist dabei die Erkenntnis, dass sich selbst Schä­di­gung­en, die in frühen Entwicklungsphasen entstehen, noch aus­glei­chen las­sen. So ist wissenschaftlich belegt, dass eine hohe Schulbildung frühkindliche Be­nach­tei­li­gung ab­schwä­chen kann. Ge­sund­heits­för­de­rung und Prä­ven­ti­on kann in jedem Le­bens­al­ter wir­ken, aber natürlich gilt auch hier: Je früher desto besser.

Übergewicht, Allergien und Verhaltensstörungen

In Deutschland sind heute 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, sechs Prozent sind gar adipös. Dabei haben sich diese Zahlen in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, es kann also von einem deutlich messbaren Trend gesprochen werden, der ab dem Schulalter auftritt. Die Ursachen liegen auf der Hand: Falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Dies sind Verhaltensweisen die oft mit zügelloser Mediennutzung einhergehen.

Zwei von drei Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren sitzen täglich mehr als vier Stunden vor Fernseher, Computer, Smartphone oder Spielekonsole. Da bleibt dann keine Zeit mehr für Sport und das Essen wird unüberlegt nebenher reingeschlungen. Bei jedem dritten Jungen zwischen 14 und 17 Jahren ist ein täglicher Bildschirm-Konsum von mehr als sechs Stunden normal. Wenn dann noch Alkohol und Zigaretten hinzukommen, leuchtet ein, dass die Prognose düster ist.

Jedes vierte Kind leidet an einer allergischen Erkrankung wie Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen. Bei den Allergien scheinen die ansonsten benachteiligten Kinder aus sozial schwachen Schichten allerdings den gut behüteten Junioren gegenüber im Vorteil zu sein. Es besteht offenbar ein Zusammenhang aus übertriebener Fürsorge und dem daraus resultierenden mangelnden Training des Immunsystems. Die Immunabwehr verlernt mit harmlosen Mikroorganismen umzugehen, weil diese im Alltag von übervorsichtigen Eltern wegdesinfiziert werden.

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