Gesund ist, was gut tut

Gemüse ist gesund – für alle, denen es schmeckt und die es gut vertragen. (Foto: MM / Fotolia)
Gemüse ist gesund – für alle, denen es schmeckt und die es gut vertragen. (Foto: MM / Fotolia)

Uwe Knop erklärt, warum es keine unumstößlichen Regeln in der Ernährungswissenschaft gibt

(dbp/auh) Wenn ein Ernährungswissenschaftler ein Buch schreibt mit der Kernthese: „Kein gesunder Mensch braucht Ernährungswissenschaft“, dann ist ihm Aufmerksamkeit garantiert. Uwe Knop heißt der Autor von „Esst doch, was ihr wollt – Warum Ernährung weder gesund noch krank macht“. Die rund 50 Seiten sind im Oktober 2013 als e-Book im Rowohlt-Verlag erschienen.

Dass der 41-jährige Buchautor nicht nur Diplom-Ökotrophologe, sondern auch PR-Experte ist, hat ihm sicher dabei geholfen, den nach Marketinggesichtspunkten richtigen Zeitpunkt für die Veröffentlichung zu wählen: Der Trend geht nämlich gerade weg von strengen Ernährungsvorschriften. „Iss das ruhig!“ lautete zum Beispiel im August die Titelzeile des Magazins „Zeit Wissen“. Der Hintergrund: Was für den einen gesund ist, kann für den anderen schädlich sein – die Gene entscheiden.

Knop: Es gibt keine Beweise für gesunde Kost

Doch Knop geht in „Esst doch, was ihr wollt“ noch weit über diese Binsenweisheit hinaus, dass jeder Mensch anders ist, einen anderen Stoffwechsel und andere Erbanlagen hat. Laut Knop sind sämtliche Aussagen zum Thema „gesunde Ernährung“ zwangsläufig nichts als Vermutungen, weil sie das Ergebnis von Beobachtungsstudien sind. Beispiele für unbewiesene Behauptungen: Salzreiche Kost erhöht den Blutdruck, Obst, Gemüse, Milch und Vollkornprodukte sind besser als fettes Fleisch und Süßigkeiten, man soll viel trinken (aber nur Wasser oder ungesüßten Tee!), kalorienreiche Softdrinks erhöhen das Diabetesrisiko, nicht das Frühstück ausfallen lassen, abends lieber keine schweren Mahlzeiten.

Beobachtungsstudien liefern Hypothesen – mehr nicht

Alles schon mal gehört? Es muss ja auch nicht falsch sein. Es kann sogar alles stimmen, aber – und darauf legt der Autor großen Wert: es sind nichts als Hypothesen. Das erklärt, warum es auch Studien gibt, die das Gegenteil dieser gängigen Ernährungsregeln „belegen“. Der Ernährungswissenschaftler macht es seiner Zunft nicht zum Vorwurf, dass sie sich auf Beobachtungsstudien stützt, denn er weiß: Kontrollierte Experimente oder randomisierte, doppelblinde Studien sind gar nicht möglich, wenn es um Fragen der Ernährung geht.

Was er allerdings deutlich beklagt: Viele Menschen unterwerfen sich völlig unnötig bestimmten Ernährungsregeln, die ihnen vielleicht eher schaden als nützen. Beispiel: Die sogenannte „Fünf am Tag“-Kampagne, also die Empfehlung, fünfmal am Tag eine Portion Obst oder Gemüse zu essen. Der Hintergrund für diese Empfehlung: Eine pflanzenbetonte Kost soll vor Krebs schützen. Für diese Aussage gibt es – man ahnt es schon – keinen stichhaltigen Beweis. Beobachtet wurde hingegen folgendes: Seit dem Beginn der Kampagne sind die klinischen Fälle diffuser Magen-Darm-Erkrankungen um 80 Prozent angestiegen. Soll man nun annehmen, dass Obst und Gemüse krank machen? Keineswegs, denn auch diese Behauptung ist nur eine Hypothese, die auf Zusammenhängen (Korrelationen) basiert, für die es aber keine wissenschaftlichen Beweise (Kausalitäten) gibt.

Worauf sollen Menschen vertrauen, wenn sie sich gesund ernähren möchten? Die Antwort von Uwe Knop, die natürlich nur für gesunde Menschen gilt: auf den eigenen Körper. „Essen Sie nur dann, wenn Sie echten Hunger haben, und zwar nur das, worauf Sie Lust verspüren, was Ihnen gut schmeckt und was Sie gut vertragen.“

  • Buchtipp: Uwe Knop: Esst doch, was ihr wollt! Warum Ernährung weder gesund noch krank macht, Rowohlt e-Book, erschienen am 01.10.2013, 50 Seiten, ISBN 978-3-644-52191-9 2013