Gesetzgeber plant Medikationsliste ohne Apotheken

Viele Patienten nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Wird die Kombination nicht fachmännisch überwacht, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. (Foto: Bilderbox)
Viele Patienten nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Wird die Kombination nicht fachmännisch überwacht, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. (Foto: Bilderbox)

(dbp/auh) Viele Deutsche nehmen mehrere Medikamente ein. Und das ist nicht ungefährlich.

Eine Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ergab, dass 23 Prozent dauerhaft mindestens drei verschiedene Arzneimittel konsumieren.

Polymedikation ist für viele Patienten unvermeidbar, birgt aber erhebliche Risiken. Laut ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kommt es in Deutschland jedes Jahr zu mehreren hunderttausend Krankenhauseinweisungen wegen vermeidbarer Medikationsfehler.

Liste könnte Medikationsfehler senken

Ein Medikationsplan könnte diese Risiken deutlich reduzieren, so Schmidt. Dazu müsse man aber unbedingt die Apotheken einbeziehen. Denn: „Neun von zehn Medikationslisten, die alleine vom Arzt ausgestellt werden, stimmen nicht mit dem überein, was die Patienten tatsächlich einnehmen“, erklärt Schmidt. „Nur in der Stammapotheke sind alle Medikamente eines Patienten bekannt, egal welcher Arzt sie verordnet hat, ob sie rezeptpflichtig sind oder aus der Selbstmedikation stammen.“

Da 88 Prozent der Befragten mit Polymedikation eine Stammapotheke haben, sei es durchaus praktikabel und sinnvoll, die Apotheken mit einzubeziehen. Das ist aber vom Gesetzgeber nicht vorgesehen.

Der Plan der Bundesregierung für das sogenannte E-Health-Gesetz sieht einen Rechtsanspruch auf einen Medikationsplan vor für Patienten, die mehr als zwei Medikamente einnehmen. Die Liste soll auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden, abrufbar ist aber nur der Plan. Eine Beurteilung der Polymedikation, also eine pharmazeutische Prüfung der Gesamtmedikation, findet nicht statt.