Gefahr Grüner Star

Der Augenarzt berät zur Glaukom-Vorsorgeuntersuchung, mit der er den Augeninnendruck messen und den Sehnervenkopf untersuchen kann. Die Kosten hierfür trägt der Patient selbst. (Foto: Fotolia / Monkey Business)
Der Augenarzt berät zur Glaukom-Vorsorgeuntersuchung, mit der er den Augeninnendruck messen und den Sehnervenkopf untersuchen kann. Die Kosten hierfür trägt der Patient selbst. (Foto: Fotolia / Monkey Business)

Das Glaukom gehört zu den häufigsten Erblindungsursachen.

(dbp/mhk) Weder Schmerzen noch Flecken oder Schatten vor den Augen künden das Unheil an: Die wohl tückischste und häufigste Erkrankung des Sehnervs ist der Grüne Star, auch Glaukom genannt, der oft jahrelang unbemerkt verläuft.

In Deutschland leben etwa 5 Millionen Menschen mit einem Glaukomrisiko und mehr als 800.000 Menschen sind bereits manifest erkrankt. Der Grüne Star ist weltweit die zweithäufigste Erblindungsursache – vor allem, „weil er oft erst erkannt wird, wenn 50 oder 60 Prozent des Sehnervs verloren sind“, so Prof. Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

„Als wichtigste Ursache gilt ein zu hoher Augeninnendruck. Aber auch bei normalem Druck kann ein Glaukom entstehen. 20 bis 30 Prozent der Patienten haben ein sogenanntes Normaldruckglaukom“, erklärt der Experte und ergänzt: „Treffen kann es jeden, auch jüngere Menschen ab etwa 40 Jahre. Doch wer Verwandte ersten Grades mit einem Grünen Star hat, unter Kurzsichtigkeit leidet oder Kortison-Präparate einnimmt, ist besonders gefährdet. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.“ Jeder zweite Glaukom-Patient leidet zusätzlich an Störungen des Blutdrucks – sei es Bluthochdruck (Hypertonie) oder besonders niedriger Blutdruck (Hypotonie), was den Verlauf des Glaukoms stark beeinflusst.

Schleichend von außen nach innen

Ein Glaukom beginnt im vorderen Teil des Auges. Hier wird das Kammerwasser produziert, eine Art Nährlösung, welche die Linse und Hornhaut versorgt. Durch einen kleinen Kanal fließt es nach außen, wo es vom Blutkreislauf aufgenommen wird. Ist dieser Abfluss gestört, kommt es zum Stau und der Druck im Auge steigt. Das wiederum schädigt Nervenfasern und Zellen des empfindlichen Sehnervs sowie der Netzhaut. Die Folge: Allmählich schrumpft das Blickfeld.

„Fatal ist, dass man einen erhöhten Augeninnendruck nicht spürt, die Sehschärfe zunächst nicht verloren geht und das Gehirn zunehmende Gesichtsfeldausfälle (Skotome) eine gewisse Zeit kompensiert bzw. fehlende Bildausschnitte in Gedanken einfach ergänzt“, erklärt Pfeiffer. Wenn der Betroffene den Verlust der Sehfunktion selbst wahrnimmt, ist die Schädigung des Sehnervs schon weit fortgeschritten.

Vorsorgeuntersuchung wird von Kassen nicht bezahlt

Deshalb sei Früherkennung so wichtig. „Weil man selbst nichts spürt, muss man danach suchen“, so der Experte. Er rät deshalb zur regelmäßigen Früherkennungsuntersuchung ab dem Alter von 40 Jahren. Dabei wird der Augeninnendruck gemessen und der Sehnervenkopf untersucht. Mithilfe diagnostischer Methoden zur Bestimmung des Gesichtsfeldes (Perimetrie) kann der Augenarzt auch schon rechtzeitig Ausfälle im Gesichtsfeld nachweisen oder ausschließen. Diese schmerzfreien Vorsorgeuntersuchungen werden allerdings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Ein Glaukom ist nicht heilbar.  Ziel einer Therapie ist es daher, das noch verbliebene Sehvermögen zu erhalten und die drohende vollständige Blindheit zu verhindern. „Ist der Augendruck erhöht, der Sehnerv aber noch nicht geschädigt, können Augentropfen den Druck normalisieren. In schweren Fällen kann das Voranschreiten der Erkrankung auch durch Operationen aufgehalten werden“, erläutert Prof. Pfeiffer die Therapiemöglichkeiten.

Die gute Nachricht: „Ein Glaukom-Patient kann auch aktiv dazu beitragen, um seine Situation zu verbessern.“ So rät der Augenarzt seinen Patienten, regelmäßig – am besten dreimal wöchentlich – Ausdauersport zu treiben. Das normalisiere nicht nur den Blutdruck, sondern könne auch den Sehnerv schützen, wie neuere Studien belegen.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>