Gefäßmediziner: Lungenembolie wird unterschätzt

Wenn das Blutgerinnsel aus der Beinvene in die Lunge wandert, kann eine Thrombose tödlich sein. (Fotolia: Henrie / Fotolia)
Wenn das Blutgerinnsel aus der Beinvene in die Lunge wandert, kann eine Thrombose tödlich sein. (Fotolia: Henrie / Fotolia)

Der erste Welt-Thrombosetag will die venöse Thromboembolie in den Fokus rücken

(dbp/auh) An nationalen und internationalen Gesundheitstagen mangelt es nicht. Fast 50 verschiedene Aktionstage listet die AOK auf, bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung findet man sogar mehr als 100 „gesundheitsrelevante“ Tage. Und da ist der neue „Welt-Thrombose-Tag“ am 13. Oktober noch gar nicht dabei, denn der wird in diesem Jahr zum ersten Mal begangen.

Braucht es wirklich noch einen Gesundheitstag? Fragt man die Initiatoren, die Internationale Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseologie (ISTH), dann liegt die Antwort auf der Hand: Herzinfarkt, Schlaganfall und venöse Thromboembolie sind weltweit die häufigsten tödlichen Herz-Kreislauf-Krankheiten. Und alle drei werden nach Angaben der ISTH von der Thrombose verursacht. „Während die meisten Menschen sich der Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall bewusst sind, wissen viel weniger etwas mit der venösen Thromboembolie anzufangen“, begründet die ISTH ihr Engagement auf der Aktionshomepage www.worldthrombosisday.org.

Jährlich 100.000 Tote durch Lungenembolie

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) sieht das genauso und startet zeitgleich mit dem ersten Welt-Thrombosetag ihre Aufklärungskampagne zu Venenthrombose und Lungenembolie (www.risiko-thrombose.de). Die Bezeichnung venöse Thromboembolie (VTE) umfasst sowohl die tiefe Beinvenenthrombose als auch die Lungenembolie. Sie ist die Todesursache für jährlich etwa 100.000 Menschen in Deutschland. „Es versterben mehr Menschen an einer Lungenembolie als an Aids, Brustkrebs, Prostatakrebs und durch Verkehrsunfälle zusammen“, erklärt Professor Rupert Bauersachs, Mitglied im DGA-Beirat und Chefarzt im Klinikum Darmstadt.

Thromboseprophylaxe ist der Schlüssel

Hauptanliegen der DGA ist es, die Möglichkeiten zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der VTE bekannter zu machen. Um einer Lungenembolie vorzubeugen, ist Thromboseprophylaxe die „Schlüsselmaßnahme“, so die DGA. Zur Vorbeugung dienen die drei Elemente Medikation, Mobilisation und Kompression. Welche davon zum Einsatz kommen, hängt davon ab, zu welcher Risikogruppe der Patient gehört. Beispiel: stationärer Klinikaufenthalt. Nach einer größeren Operation werden in der Regel alle Methoden der Thromboseprophylaxe angewendet. Vorbeugend gibt es zunächst eine Spritze Heparin, um die Blutgerinnung zu hemmen. So früh wie möglich werden die frisch Operierten dazu animiert, sich aus dem Bett zu bewegen, denn körperliche Aktivität ist eine wichtige Komponente. Genau wie die Kompression: Verbände oder die meist ungeliebten Strümpfe komplettieren das Prophylaxe-Trio.

Auch, wer nicht akut gefährdet ist, kann durch eine „venenbewusste“ Lebensweise dazu beitragen, sein Thromboserisiko zu minimieren. Der Berufsverband Deutscher Internisten (www.internisten-im-netz.de) gibt Tipps zur Vorbeugung:

  • Jede Form von Bewegung regt die Muskel-Venen-Pumpe an: Schwimmen, Wandern, Radfahren oder Tanzen: Hauptsache nicht sitzen oder stehen! Wer berufsbedingt dazu gezwungen ist, kann im Sitzen spezielle Venengymnastik machen.
  • Viel trinken (mindestens 1,5 Liter täglich) verhindert, dass das Blut sich verdickt.
  • Kneippsche Wasseranwendungen sind ein Segen für die Venengesundheit. Wichtig ist der Temperaturwechsel. Wer gern in die Sauna oder ins heiße Wannenbad steigt, darf die anschließende Abkühlung nicht vergessen.
  • Rauchen und Übergewicht sind unbedingt zu vermeiden.
  • Frauen mit einer Veranlagung zu Venenschwäche sollten wissen, dass die „Pille“ und andere Hormonpräparate das Thromboserisiko erhöhen können.