Gefährliche Obsternte

Für ältere Menschen ist die Obsternte auf der Leiter mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. (Foto: DURIS Guillaume / Fotolia)
Für ältere Menschen ist die Obsternte auf der Leiter mit einem Gesundheitsrisiko verbunden. (Foto: DURIS Guillaume / Fotolia)

Knochenbrüche bei Senioren infolge von Leiterstürzen häufen sich zur Erntezeit

(dbp/auh) Unfallchirurgen haben das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun. Die vorherrschenden Unfallursachen variieren mit den Jahreszeiten: Verunglückte Motorradfahrer im Frühjahr, Sport- und Badeunfälle im Sommer, gestürzte Fußgänger im Herbst und Winter. Laut Robert-Koch-Institut ist jeder fünfte Unfall ein Verkehrsunfall. Die meisten Unfälle aber passieren im häuslichen Umfeld: fast jeder dritte Unfall ereignet sich im Haus, im Garten oder in der Garage. Diese Heimunfälle nehmen anteilig mit dem Alter zu.

Im Spätsommer, zur Zeit der Obstbaumernte, häufen sich die Leiterstürze bei älteren Menschen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) mit. Die Folgen seien oftmals Knochenbrüche an Oberschenkel, Becken, Wirbelsäule und Unterarm sowie Schädelhirntraumen. Vorerkrankungen wie Osteoporose oder auch die Einnahme von Blutverdünnungsmitteln haben bei Senioren einen großen Einfluss auf die Auswirkungen eines Sturzes.

Unsichere Prognose nach Knochenbruch

Der Heilungsprozess werde von den zuvor bestehenden Erkrankungen und einer generellen „Gebrechlichkeit“ stark beeinflusst, erläutert Professor Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der DGU und Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt am Main. „Die Rekonvaleszenz ist mitunter sehr langwierig und nicht selten mit einer unsicheren Prognose bezüglich der vollständigen Wiederherstellung des Gesundheitszustandes und der sozialen Eingliederung in das gewohnte Umfeld verbunden“, so der Unfallchirurg.

Tipps von der landwirtschaftlichen Sozialversicherung

Leiterstürze, insbesondere bei Senioren, sind auch aus Sicht der zuständigen Versicherer ein bedeutendes Problem. So erklärt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG): Selbst im hohen Alter werden oftmals lange Leitern bestiegen und hohe Obstbäume abgeerntet. Besonders, wenn die Arme über den Kopf gehalten werden, tritt häufig Schwindel auf. Oftmals wird sich auch zu weit zur Seite gebeugt. „Das Risiko, das Gleichgewicht auf einer Leiter zu verlieren, steigt ab einem Alter von 50 Jahren sprunghaft an“, so die SVLFG.

Der Hauptgrund für Stürze sei das zu weite Hinauslehnen. Schnell sei man versucht, von seinem Standort aus möglichst viele Äste zu erreichen. Besser sei es aber, die Leiter öfter umzustellen, auch wenn das etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt. Holzleitern dürfen nicht farbig lackiert werden, damit eventuelle Mängel am Holz deutlich erkennbar sind. Auf natürlichem Untergrund muss die Leiter mit sogenannten Leiterspitzen ausgerüstet sein. Durch das Eindrücken der Spitzen in den Boden ist der Leiterfuß gesichert.

Die Leiter muss an einen starken Ast oder in einer stabilen Astgabel angelehnt werden. Damit sie nicht abrutschen kann, muss sie dort fest angebunden werden. Dafür gibt es spezielle Leitergurte, die reißfester sind als ein herkömmlicher Strick. Der richtige Anstellwinkel beträgt in etwa 75 Grad.

Tipps von den Deutschen Unfallchirurgen:

  • vor dem Leiteraufstieg den Kreislauf mit Gymnastikübungen in Schwung bringen
  • insbesondere Greif- und Dehnübungen durchführen
  • festes Schuhwerk tragen
  • eine Hand immer an der Leiter halten, Sammelkorb dazu durch einen Haken an Leiter oder Ast befestigen

Menschen, die zu Schwindel oder Synkopen neigen, sollten laut DGU auf den Leiteraufstieg ganz verzichten, ebenso Patienten mit kreislaufwirksamen Herzrhythmusstörungen, Wahrnehmungsstörungen oder Beeinträchtigungen der Motorik.

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