Geburtshilfe bald ohne Hebammen?

Der Beruf der freien Hebamme ist in seiner Existenz gefährdet, fürchtet der Deutsche Hebammenverband. (Foto: Hartmut910 / pixelio)
Der Beruf der freien Hebamme ist in seiner Existenz gefährdet, fürchtet der Deutsche Hebammenverband. (Foto: Hartmut910 / pixelio)

Gestiegene Haftpflichtprämien machen freien Hebammen das Berufsleben schwer

(dbp/nas) Rufbereitschaft rund um die Uhr und die Verantwortung für das Leben von Mutter und Kind – Hebammen, die Geburtshilfe leisten, wird in ihrem Job viel abverlangt. Sie fühlen ihre Leistung nur unzureichend honoriert, während gleichzeitig die Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung von freiberuflich in der Geburtshilfe tätigen Hebammen massiv gestiegen sind. Die Schere gehe immer weiter auseinander und die Hebammen können diese Last nicht mehr tragen, so die Pressesprecherin des Deutschen Hebammenverbandes Edith Wolber in einem Radio-Interview.

Viele Hebammen leisten keine Geburtshilfe mehr

Die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung haben sich inzwischen eklatant erhöht, erklärt Melani Trofimow vom Marburger Geburtshaus – vor gut zehn Jahren waren es noch 400 Euro pro Jahr, 2010 dann bereits 3.700 Euro. Ab diesem Sommer sollen es nun sogar 4.200 Euro werden. Viele Hebammen haben deshalb ihr eigentliches „Kerngeschäft“ Geburtshilfe bereits aufgegeben und einige kleinere Geburtshäuser sind schon geschlossen. Wer keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten findet, der müsse aufhören, sagt Melani Trofimow.

Der Deutsche Hebammenverband schreibt in seiner Stellungnahme zum Thema, das Problem der steigenden Haftpflichtprämien betreffe alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Für alle Hebammen und alle hebammengeleiteten Einrichtungen gelte eine gesetzlich verankerte Versicherungspflicht, es gebe in Deutschland aber kaum noch Versicherungen, die bereit sind, das Risiko Geburtshilfe zu zeichnen. Der Grund für die massive Erhöhung bei den Prämien sei indes nicht, dass mehr Schadensfälle passieren, sondern dass die Kosten für den einzelnen Geburtsschaden (wenn er passiert) stark gestiegen sind, erläutert Edith Wolber.

Haben Schwangere bald keine Wahl?

Das Dilemma ist laut Melani Trofimow, dass seit zwei Jahren einfach nichts passiere – allen Absichtsbekundungen auch von Bundesregierungsmitgliedern zum Trotz. Wird auch weiterhin nicht interveniert, haben werdende Mütter bald keine Wahlmöglichkeit mehr, ob sie außerklinisch entbinden möchten oder nicht, fürchtet Trofimow. Rund 98 Prozent aller Geburten in Deutschland finden in einer Klinik statt.

Besonders schwierig sei es für Hebammen, die in Teilzeit tätig sein wollen: „Wer in der außerklinischen Geburtshilfe nicht zu 100 Prozent arbeitet, kann es sich sowieso nicht leisten“, stellt Melani Trofimow fest. Da der Beruf der Hebamme aber ein Frauenberuf ist, und viele Frauen Job und Familie unter einen Hut bringen müssen, erschwert dieser Aspekt die Sache zusätzlich. „Für Geburtshäuser wird es immer schwerer, neue Hebammen zu finden“, weiß Trofimow.

Für die Hebammen, die weiterhin außerklinische Geburtshilfe anbieten wollen, ist zumindest eins klar: „Wir können es nicht alleine stemmen“, sagt Melani Trofimow. Der Deutsche Hebammenverband fordert von der Politik „ein klares und aktives Bekenntnis zum flächendeckenden Anspruch der werdenden Mütter und Familien auf Hebammenhilfe“.