Gebündelte Energie im Kampf gegen den Tumor

Die Strahlentherapie gehört neben Operation und Chemo zu den drei tragenden Säulen der Krebsbehandlung. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)
Die Strahlentherapie gehört neben Operation und Chemo zu den drei tragenden Säulen der Krebsbehandlung. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)

Die moderne Strahlentherapie ist eine tragende Säule der Krebsbehandlung

(dbp/auh) Die meisten Menschen denken bei Radiologie zuerst an die bildgebenden, diagnostischen Verfahren wie Röntgenaufnahmen und Computertomographie. Doch auch therapeutisch werden Röntgenstrahlen eingesetzt, zum Beispiel zur Schmerzlinderung bei Arthrose, Tennisarm oder Fersensporn. Von besonderer Bedeutung ist die Strahlentherapie in der Krebsbehandlung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum erklärt, wie das funktioniert: Energiereiche Strahlen können Tumorzellen so stark schädigen, dass sie absterben. Gesunde Zellen reagieren weniger empfindlich, denn sie verfügen meist über Reparaturmechanismen, die in Tumoren mit ihrem schnellen, unkontrollierten Wachstum nicht mehr zur Verfügung stehen. Heute lässt sich die Strahlung meist sehr zielgenau auf eine Krebsgeschwulst bündeln, daher sind schwere Nebenwirkungen selten geworden.

Heilung durch Bestrahlung

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie haben mehr als die Hälfte aller dauerhaft geheilten Krebspatienten eine Strahlentherapie erhalten, entweder als alleinige Behandlungsform oder in Kombination mit einem operativen Eingriff oder einer Chemotherapie.

Es gibt verschiedene Methoden der Strahlentherapie zur Tumorbekämpfung. Die beiden wesentlichen Formen sind Bestrahlung von außen („perkutan“, also durch die Haut) und die Brachytherapie (brachy bedeutet kurz), bei der strahlendes Material nah an den Tumor in den Körper eingebracht wird.

Die Wahl der Methode, die Dauer der Behandlung und die Höhe der Strahlendosis werden abhängig von individuell verschiedenen Faktoren festgelegt, insbesondere von der Art der Krebserkrankung sowie von Größe und Lage des Tumors. Zu den Tumorerkrankungen, bei denen sich die Brachytherapie in vielen Fällen gut eignet, gehören beispielsweise Prostata- und Gebärmutterhalskrebs.

Strahlentherapie auch in fortgeschrittenem Stadium

Nicht nur in der auf Heilung abzielenden Krebsbehandlung spielt die Bestrahlung neben Operation und Chemotherapie eine gleichermaßen bedeutsame Rolle, sondern auch bei Patienten, deren Krebserkrankung zu spät entdeckt wurde oder die aus anderen Gründen nicht auf eine vollständige Genesung hoffen können. So zeigt eine aktuelle Studie aus Norwegen, dass bei fortgeschrittenem Lungenkrebs eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie den Tumor zumindest vorübergehend zurückdrängen kann.

Diese „Chemoradiatio“ verlängerte die mittlere Überlebenszeit der Patienten von 9,7 auf 12,6 Monate. Die norwegische Studie ist nach Angaben der DEGRO die erste, die neben der Überlebenszeit auch die Lebensqualität der Patienten untersucht hat. Patienten, die durch Alter oder Erkrankung bereits stark behindert waren, hatten allerdings keinen Überlebensgewinn. „Wir würden diesen Patienten derzeit von einer Bestrahlung abraten“, erläutert Professor Dr. Frederik Wenz, Pressesprecher der DEGRO. Bei anderen könne die Strahlentherapie helfen, die Überlebenszeit ohne große Einschränkungen der Lebensqualität zu verlängern.