Ganglion: Geschwulst ohne Gefahr

Ein Überbein (Ganglion) tritt meist auf dem Handrücken auf. (Foto: Henrie / Fotolia)
Ein Überbein (Ganglion) tritt meist auf dem Handrücken auf. (Foto: Henrie / Fotolia)

Ein „Überbein“ ist eine gutartige Wucherung, die nicht immer operiert werden muss

(dbp/nas) Mit dem Fachbegriff Ganglion wird ein gutartiger Tumor am Handgelenk bezeichnet. Das Wort „Überbein“, das im alltäglichen Sprachgebrauch oft als Synonym verwendet wird, ist zwar anschaulich, weil sich ein Ganglion meist nach außen wölbt, aber eigentlich falsch, da es sich nicht um eine Verknöcherung handelt. Ganglien sind Ausstülpungen der weichen Gelenkhäute, die sich mit Flüssigkeit füllen.

„Prinzipiell ist ein Ganglion keine schlimme oder gefährliche Erkrankung“, erläutert Professor Dr. Christian Kühne, Leiter des Schwerpunkts Handchirurgie am Universitätsklinikum Marburg. Es bestehe keine Gefahr einer Entartung und die Notwendigkeit einer Operation sei deshalb relativ.

Schmerzen entstehen durch gereizte Nerven

Am häufigsten treten Ganglien auf dem Handrücken auf, aber sie können sich prinzipiell über jedem Gelenk, jeder Sehnenscheide und jedem Ringband bilden. Besonders betroffen sind Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr – Frauen deutlich häufiger als Männer. Was genau die Ursache ist, konnte bislang noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Etwa in jedem zehnten Fall hat sich der Betroffene eine Verletzung oder Verstauchung im Vorfeld zugezogen.

Ein Ganglion kann bis zu mehrere Zentimeter groß werden. Es ist meist druckempfindlich und prall-elastisch, weil es mit Gelenkflüssigkeit gefüllt ist. Ob es Schmerzen hervorruft, hängt aber nicht von der Größe ab. Entscheidend ist, an welcher Stelle es sitzt und ob es zum Beispiel einen benachbarten Nerv reizt. Auch ein Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl können auftreten. Wird eine Sehne gequetscht, kann sich eine Sehnenscheidenentzündung entwickeln und die bereitet dann Schmerzen. Manchmal können Ganglien auch Beschwerden verursachen, ohne dass eine äußerliche Schwellung auftritt, weil die Geschwulst in einen Knochen eindringt und von außen nicht zu sehen ist.

Operiert werden muss nur bei Beschwerden

„Die meisten Patienten kommen, weil sie Schmerzen haben oder wissen wollen, was sie da haben“, sagt Professor Kühne. Wenn geklärt ist, dass es sich um ein Ganglion handelt und es weder Beschwerden verursacht noch den Betroffenen vom ästhetischen Gesichtspunkt stört, dann ist keine Operation nötig. Manchmal bilden sich Ganglien von selbst wieder zurück. Führt eine Geschwulst aber zu Schmerzen oder beeinträchtigt sie umliegende Gewebsstrukturen, stehen verschiedene operative Möglichkeiten zur Verfügung.

„Man kann versuchen, das Ganglion zu punktieren und die Flüssigkeit abzulassen“, erklärt Professor Kühne. Weil aber die umgebende Hülle dabei erhalten bleibt, kommt es häufig wieder. Aber auch wenn das Ganglion komplett entfernt wird, besteht die Gefahr eines Rezidivs. Eine Entfernung wird entweder unter einer lokalen Anästhesie oder der Betäubung des Armes durchgeführt. Dabei entfernt der Chirurg das Ganglion samt des so genannten Stiels, der zur Gelenkkapsel führt. Die Hand kann meist gleich nach der Operation wieder bewegt werden, braucht aber noch Schonung und muss manchmal eventuell auch noch kurzzeitig krankengymnastisch behandelt werden, um die Beweglichkeit wieder komplett herzustellen.

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Online-Informationen der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Charité Berlin, http://trauma-cbf.charite.de/fuer_patienten/schwerpunkte_der_klinik/handchirurgie/behandlungsspektrum/ganglion/; Dr. Dagmar Schneck: Handgelenksganglion (Überbein), in: Apotheken Umschau vom 17.07.2012, www.apotheken-umschau.de; Doris Schmidt, Michael Zimmer „Chirurgie, Orthopädie, Urologie“, Urban & Fischer Verlag, Elsevier München, 2005; Interview mit Professor Dr. Christian Kühne, Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Marburg, geführt im Februar 2014