Funktionsstörungen und Verschleißerscheinungen

Arthrosen können auch in den Kiefergelenken auftreten. (Foto: proDente e.V. / Peter Vogt)
Arthrosen können auch in den Kiefergelenken auftreten. (Foto: proDente e.V. / Peter Vogt)

Kiefergelenke sind die meist benutzen Gelenke des Körpers.

(dbp/fru) Wir können nur erahnen, was Kiefergelenke im Laufe eines Menschenlebens leisten müssen. Ohne sie wären Sprechen, Schlucken und Kauen kaum möglich. Kiefergelenke gehören zu den vielseitigsten Körpergelenken, da sie sowohl Drehbewegungen als auch Gleitbewegungen ausführen können. Und sie unterliegen täglich enormen Belastungen. Wenn die Funktion der Kiefergelenke eingeschränkt oder gestört ist, kann sich das auch auf andere Teile des Kauapparats, wie z. B. Kaumuskulatur, Kieferknochen oder Nerven, negativ auswirken. Solche Funktionsstörungen können dann sogar Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen verursachen.

Funktionsanalyse gibt Aufschluss

Deshalb wird in zahnärztlichen und kieferorthopädischen Praxen immer häufiger eine sogenannte Funktionsanalyse empfohlen. Sie überprüft das Zusammenwirken von Zähnen, Muskulatur und Kiefergelenk. „Damit ist sie ein unersetzliches Instrument für die Erkennung von funktionellen Störungen des Zahn-, Mund- und Kieferbereiches“, erklärt Zahnarzt Dr. Dietmar Oesterreich auf den Internetseiten der Initiative proDente.

Der gesamte Komplex möglicher Funktionsstörungen unter Beteiligung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur wird auch als „Craniomandibuläre Dysfunktion“ (CMD) beschrieben, teilt der medizinische Beratungsdienst der Zahnärzte (MDZ) mit. Symptome seien beispielsweise eine eingeschränkte Mundöffnung, eine Abweichung zur Seite bei der Öffnung, Gelenkgeräusche und Muskelbeschwerden oder Schmerzen. Die Beschwerden können über längere Zeit in unterschiedlicher Intensität bestehen und mehr oder minder störend sein.

Wenn Funktionsstörungen plötzlich auftreten, sollte zeitnah ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde aufgesucht werden. Dann wird laut MDZ versucht, anhand einer Funktionstherapie eine Entspannung der beteiligten Muskulatur herbeizuführen und traumatisierte oder gar entzündete Strukturen der Kiefergelenke bzw. einzelner Zähne zu entlasten. In manchen Fällen würden auch schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz kommen. Zudem könne auch eine fachübergreifende Behandlung durch weitere Spezialisten, wie z. B. Osteopathen oder Physiotherapeuten notwendig sein.

Arthrose im Kiefergelenk

Wie alle Gelenke des menschlichen Körpers, unterliegen auch die Kiefergelenke im Zeitablauf einem Verschleiß (Arthrose). Dieser wird häufig durch eine mechanische Abnutzung der knorpeligen Gelenkflächen zumeist infolge von Fehlbelastungen hervorgerufen, erklärt die Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA). Bei fortschreitendem Prozess könne der Knorpelbelag vollständig zerstört sein und eine knöcherne Deformierung des Gelenks hervorrufen. Die ersten Anzeichen für eine Arthrose im Kiefergelenk seien Reibe-, Knack- und Knirschgeräusche, die meistens mit einer Beweglichkeitseinschränkung des Kiefers einhergehen.

Kiefergelenksarthrosen bzw. deren Symptome können je nach Ausprägung konservativ aber auch chirurgisch behandelt werden. Liegt die Ursache an den Zähnen (auch der Dritten), kann laut GZFA eine Schienentherapie (DROS) helfen. Wenn Stress der Auslöser ist (z. B. bei Bruxismus) sind Entspannungsübungen ratsam. In manchen Fällen sei auch eine Psychotherapie als begleitende Maßnahme zweckmäßig. Grunderkrankungen wie Arthrose, Arthritis und Rheuma sollten immer fachübergreifend mit entsprechenden Experten aus dem humanmedizinischen Bereich behandelt werden.