Für Betroffene eine Ewigkeit

Clusterkopfschmerzen treten sehr extrem und streng einseitig auf. (Foto: Kim Schneider / Fotolia)
Clusterkopfschmerzen treten sehr extrem und streng einseitig auf. (Foto: Kim Schneider / Fotolia)

Diagnose Clusterkopfschmerz dauert im Durchschnitt acht Jahre.

(dbp/fru) Für viele Clusterkopfschmerz-Patienten beginnt ihre Leidensgeschichte aus dem Nichts. Plötzliche und sehr heftige Kopfschmerzen treten einseitig im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfe auf. Die Schmerzattacken können zwischen 15 und 180 Minuten dauern. Die Häufigkeit kann dann von einer Attacke jeden zweiten Tag bis zu acht Attacken pro Tag variieren.

„Die Schmerzen werden durch mindestens eines der folgenden Symptome begleitet, die auf der gleichen Seite auftreten: Augenrötung, Augentränen, Verstopfung der Nase, Nasenlaufen, vermehrtes Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht, Verengung der Pupille, Hängen des Augenlides, Schwellung der Augenlider und körperliche Unruhe mit Bewegungsdrang“, erklärt  Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel. Da die Attacken periodisch gehäuft auftreten, spricht man von einem Cluster (auf Englisch „Haufen“ oder „Anhäufung“).

Odyssee von Arzt zu Arzt

Es gibt über 200 Arten von Kopfschmerzen. Eine genaue Diagnose ist somit immer schwierig. Bei Clusterkopfschmerzen dauert es bis zur Diagnosestellung aber besonders lang: nach Angaben des Bundesverbands der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) etwa acht Jahre! In dieser Zeit haben Betroffene schon eine regelrechte Ärzte-Odyssee hinter sich gebracht mit vielen unnötigen Eingriffen und jede Menge Frustration. So berichten Patienten von der Einnahme etlicher Schmerztabletten, über Operationen an der Nasenscheidewand bis hin zu unnötig gezogenen Zähnen – alles ohne Erfolg, der Schmerz blieb.

Die Schmerzen und die Frustration sind dabei teilweise so heftig, dass Patienten auch Selbstmordgedanken entwickeln, weshalb der Clusterkopfschmerz oft auch „Suizid-Kopfschmerz“ genannt wird. „Soziale Isolation, Persönlichkeitsänderung, Angst, Depression, Mutlosigkeit, Wut, Trauer, Verzweiflung und Aufgabe des Lebenswillens“, so beschreibt auch Prof. Göbel die vielfältigen Begleiter der Erkrankung. Dabei könne der Clusterkopfschmerz heute in der Regel mit spezialisiertem Wissen schnell und präzise diagnostiziert werden und es gebe auch sehr wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die eine schnelle Hilfe ermöglichen, sagt der Experte weiter.

Dokumentation schafft Basis für Diagnose

Ein detailliertes Schmerztagebuch kann helfen, den Anfällen und ihren Auslösern auf den Grund zu gehen. Ein solches Selbstwissen über das Erleben des Schmerzes kann dem Arzt auch bei der Diagnosestellung sehr behilflich sein. „Zur Diagnosestellung müssen die Charakteristika der Kopfschmerzattacke genau erfragt werden. Dazu zählen in erster Linie die Zeitdauer, die Einseitigkeit, die Schwere der Attacke, die typischen Begleitsymptome, die Lokalisation im Augenbereich und auch das Verhalten des Patienten während der Attacke“, erklärt Neurologe Göbel.

Zur Attackentherapie empfiehlt Prof. Göbel das Inhalieren von medizinisch reinem Sauerstoff anhand einer Gesichtsmaske. Tragbare Sauerstoffflaschen können entsprechend verordnet werden. Darüber hinaus können Akut-Medikamente, unter anderem sogenannte Triptane, zur Anwendung kommen. Über Behandlungsmöglichkeiten können sich Betroffene von einem erfahrenen Schmerztherapeuten beziehungsweise Neurologen beraten lassen.

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