Frühe Einschulung erhöht ADHS-Rate

Manche Kinder werden schon vor dem sechsten Geburtstag eingeschult - sie sind dann teils deutlich unreifer als ihre Klassenkameraden. (Foto: Bilderbox)
Manche Kinder werden schon vor dem sechsten Geburtstag eingeschult - sie sind dann teils deutlich unreifer als ihre Klassenkameraden. (Foto: Bilderbox)

(dbp/spo) Bei Kindern, die sehr früh vom Kindergarten in die Schule wechseln, wird häufiger die Diagnose ADHS gestellt.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Versorgungsatlas. Welche Kinder schon in die Schule müssen und welche noch ein Jahr warten können, regelt ein Stichtag, der in den Bundesländern unterschiedlich gesetzt wird. Wer bis zu diesem Stichtag 6 Jahre alt geworden ist, muss in die Schule gehen. Teils liegt der Stichtag hinter dem Datum der Einschulung, was zur Folge hat, dass auch Fünfjährige schon den Ranzen schultern.

Der Studie zufolge macht es viel aus, ob ein Kind einen Monat vor oder nach dem jeweiligen Stichtag Geburtstag hat. Die Kinder, die kurz vor dem Stichtag Geburtstag haben, und deshalb bei der Einschulung recht jung sind, bekommen nämlich häufiger die Diagnose ADHS und damit auch eine entsprechende medikamentöse Behandlung. Bei ihnen liegt die Diagnoserate bei 5,3 Prozent, bei den Älteren bei 4,3 Prozent – für die Wissenschaftler ein „robuster Zusammenhang“ zwischen Alter und Diagnosehäufigkeit. Jungs werden häufiger als behandlungsbedürftig eingestuft als Mädchen.

Unfaire Vergleiche?

Warum das so ist, wurde in der Studie nicht untersucht, allerdings haben die Autoren eine Vermutung: Das Verhalten der jüngeren und damit unreiferen Kindern in der Klasse werde mit dem Verhalten der Älteren verglichen. So fallen die höhere Impulsivität, Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit der Kleineren stärker ins Gewicht.

Die Studienergebnisse gaben zudem Hinweise darauf, dass in größeren Klassen mit einem hohen Ausländeranteil sehr junge Kinder noch häufiger als ADHS-Patienten deklariert wurden als in anderen Klassen. Möglicherweise falle bei schwierigen Unterrichtsbedingungen die relative Unreife der Kleinen stärker auf, hieß es.

Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Bei der genannten Studie wurden die Krankenkassendaten von sieben Millionen Kindern zwischen vier und 14 Jahren verglichen – und zwar aus den Jahren 2008 bis 2011.