Fit für das Leben als Pflegeperson

Wer einen Angehörigen pflegt, kann sich in Pflegekursen für diese Aufgabe schulen lassen. (Foto: A.Raths/Fotolia)
Wer einen Angehörigen pflegt, kann sich in Pflegekursen für diese Aufgabe schulen lassen. (Foto: A.Raths/Fotolia)

Spezielle Kurse geben pflegenden Angehörigen Hilfe zur Selbsthilfe.

(dbp/spo) Der mit Abstand größte Pflegedienst ist die Familie. 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden laut Statistischem Bundesamt zu Hause versorgt. Das bedeutet: Angehörige und Freunde übernehmen meist einen Job, für den sie gar nicht ausgebildet sind. Und das oft von heute auf morgen. Um den Pflegenden das notwendige Wissen zu vermitteln, gibt es spezielle Pflegekurse.

Die Kosten für diese Kurse übernehmen die Pflegekassen. Welche Angebote es in der Region gibt, können Interessierte bei der Geschäftsstelle vor Ort erfragen.

Einer, der in Mannheim regelmäßig Pflegekurse leitet, ist Peter Bezler, Fachausbilder für soziale Dienste beim Regionalverband Baden der Johanniter. Wie die Kurse aufgebaut sind, ist nicht genormt, sagt er. Deshalb lohnt es sich, vorher nachzufragen, welche Inhalte genau vermittelt werden. Natürlich geht es um das Thema Pflegetechniken, etwa um die Körperpflege, Ernährung, das rückenschonende Heben und so weiter. Aber das ist laut Peter Bezler nicht das Wichtigste.

Den Alltag neu gestalten

„Ich verfolge in meinen Kursen einen ganzheitlichen Ansatz“, sagt der gelernte Krankenpfleger. „Mir geht es um die Situation Pflege und wie man damit klar kommen kann. Also die Fragen: Wie erhalte ich mir ein halbwegs normales Leben? Wie schaffe ich es, nicht unter den Ansprüchen zusammenzubrechen?“ Vielen passiere nämlich genau das: Sie scheitern nicht an handwerklichen Problemen, sondern an der Gesamtsituation. So kommen Pflegebedürftige laut Peter Bezler manchmal in Heime, obwohl es vielleicht auch anders gehen könnte.

In Bezlers Kursen können die Teilnehmer für die zehn Kursabende aus verschiedenen Themenmodulen wählen. Da gibt es zum Beispiel die Themen Ernährung, Bewegung, Umgang mit Schmerz und dem Sterben oder Gewalt in der Pflege. Zudem gibt es Module über die Möglichkeiten zur Entlastung für Angehörige, etwa durch Kurzzeit- und Tagespflege, oder über die Gestaltung des Alltags zu Hause – etwa durch Veränderungen in der Wohnung.

Wer bezahlt was?

Die Kursteilnehmer erfahren, welche Ansprüche, welche Hilfen es gibt, wer was bezahlt und wo man weiterführende Informationen bekommt. „Der Kurs ist als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt“, sagt Peter Bezler. Der Kern sei, „dass die Teilnehmer rausgehen mit viel Mut und Ideen, wie es vielleicht anders laufen kann. Die Instrumente sind da, man muss nur lernen, sie zu benutzen.“

Was Bezler verhindern will ist, dass die Pflege alles andere im Leben verdrängt. Deshalb lässt er seine Kursteilnehmer anfangs reflektieren, was für ein Mensch der Pflegebedürftige früher war und was davon übrig geblieben ist. „Da gibt es dann viele Aha-Effekte“, erklärt er. „Oft ist nämlich nur noch wichtig, dass der Großvater zur Toilette geht, aber der Großvater als Person geht völlig verloren.“

Und dann gibt es da noch einen weiteren Effekt: „Am ersten Abend komme ich normalerweise kaum dazu, den Kurs zu beginnen. Fast immer fließen Tränen, weil die Teilnehmer oft seit Jahren das erste Mal mit jemandem reden, dem es genauso geht.“