Fettabsaugen als letzte Hoffnung

Das Fettabsaugen bei einem Lipödem erfordert vom Chirurgen viel Erfahrung und lymphologisches Wissen. (Foto: cirquedesprit / Fotolia)
Das Fettabsaugen bei einem Lipödem erfordert vom Chirurgen viel Erfahrung und lymphologisches Wissen. (Foto: cirquedesprit / Fotolia)

Die Liposuktion beim Lipödem gilt bei den Krankenkassen noch als Schönheitsoperation

(dbp/auh) Bei der Liposuktion (Fettabsaugen) wird überschüssiges Fettgewebe entfernt, das auf anderem Weg, also durch Gewichtsreduktion oder Sport, nicht verschwinden würde. Für Patientinnen mit einem Lipödem, einer krankhaften Fettverteilungsstörung, ist die Liposuktion die einzige Möglichkeit, das Fett loszuwerden. Dennoch zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung in der Regel nicht.

Dass sich eine Klage lohnen kann, hat jüngst eine junge Nordhessin bewiesen, die sich die Kostenübernahme vor dem Hessischem Landessozialgericht erstritten hat (AZ L 1 KR 391/12). Im Jahr 2009 lehnte ihre Kasse den Antrag ab. Die damals 25-jährige Patientin, die an einem Lipödem II. Grades litt, klagte dagegen und bekam im Februar 2013 in letzter Instanz Recht. In den vier Jahren, die Rechtsstreit dauerte, hatte sich ihr Zustand trotz Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung und Gewichtsreduktion erheblich verschlechtert.

Fett reagiert nicht auf Lymphdrainage und Kompression

Nicht jedes Lipödem verschlimmert sich im Lauf der Zeit. Bei einigen Patientinnen bleibt der Befund über Jahre unverändert. Die Schmerzen und das Druckgefühl können mithilfe der Komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) gelindert werden. Doch die Fettansammlungen bleiben an Ort und Stelle – trotz manueller Lymphdrainage, Kompressions- und Bewegungstherapie. Deshalb wünschen sich die meisten Frauen mit der Diagnose Lipödem eine Liposuktion.

Schönheits-OP oder medizinisch notwendige Behandlung?

Der Verein „Lipödem Hilfe“ bemüht sich darum, Krankenkassen und Medizinischen Dienst zu einem Umdenken beim Thema Liposuktion zu bewegen: „Wir wollen dafür kämpfen, dass diese Behandlung nicht mehr als Schönheitsoperation eingestuft und endlich als vertragliche Leistung in den sogenannten Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird“, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Es gibt unterschiedliche Verfahren beim Absaugen, wobei die Tumeszenztechnik nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) als Standardmethode gilt. Die Tumeszenz (das Anschwellen) geschieht durch die Injektion einer größeren Menge Flüssigkeit in das Unterhautgewebe. Dadurch wird das Gewebe gelockert, die Fettzellen werden aus dem Bindegewebe gelöst und lassen sich besser absaugen. In der Flüssigkeit ist neben einer Kochsalzlösung auch ein Betäubungsmittel enthalten, daher wird diese Methode auch Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) genannt.

Das Absaugen selbst geschieht mit sehr dünnen, vibrierenden Kanülen. Die Vibrationsliposuktion schont das Gewebe, da nur die Fettzellen und die Tumeszenz-Flüssigkeit entfernt werden. Umliegende Bindegewebsstränge, Nerven, Blut- und Lymphgefäße lassen sich aufgrund ihrer „mechanischen Trägheit“ nicht mit ansaugen.

Eine andere Variante der Tumeszenztechnik ist die Wasserstrahl-assistierte-Liposuktion (WAL). Sie ist noch schonender, weil weniger Tumeszenzlösung gebraucht wird. Der Körper wird nicht so stark aufgeschwemmt und die Operation dauert nicht so lange.

Wichtig: Jede Methode ist nur so gut wie der Chirurg, der sie anwendet. Bei der Suche nach einem erfahrenen Liposuktionschirurgen können Selbsthilfegruppen helfen. Ohne eine solide Kenntnis der Anatomie des Lymphgefäßsystems ist eine erfolgreiche Liposuktion beim Lipödem eher unwahrscheinlich. Ein Hinweis auf Kompetenz kann daher die Mitgliedschaft des Arztes in einer lymphologischen Fachgesellschaft sein.