Feintuning fürs Ohr

Der Hörgeräteakustiker muss oft viele feine Einstellungen am Hörgerät vornehmen, um den „Hörgeschmack“ des Patienten genau zu treffen. (Foto: Kzenon / Fotolia)
Der Hörgeräteakustiker muss oft viele feine Einstellungen am Hörgerät vornehmen, um den „Hörgeschmack“ des Patienten genau zu treffen. (Foto: Kzenon / Fotolia)

Hörgeräte müssen an den individuellen Hörverlust angepasst werden.

(dbp/mhk) Etwa 16 Prozent der Bundesbürger leiden an einem schleichenden Hörverlust. Wird beim HNO-Arzt oder direkt beim Hörgeräteakustiker ein vermindertes Hörvermögen festgestellt,  kann eine Hörhilfe nötig sein.

„Nach umfangreicher Untersuchung, auch ob ein Sinnesverschleiß oder eine krankhafte Störung vorliegt, und mittels zahlreicher Tests kann der Grad der Schwerhörigkeit festgestellt werden“,  so der Hörgeräteakustiker-Meister und Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) Burkhard Stropahl. „Wir empfehlen dann zunächst ein geeignetes Gerät  – ist ein Resthörvermögen vorhanden, ist der Standard eine offene Versorgung“. Aufgrund technologischer Weiterentwicklung der vergangenen Jahre sind digitale Hörgeräte immer leistungsfähiger und komfortabler.  Doch ob Hinter-dem-Ohr (HdO)- oder Im-Ohr (IO)-Geräte, sie sind alle nicht sofort nutzbar.

Individuelle Einstellung erforderlich

„Die individuelle Einstellung ist immer noch unumgänglich, um eine erfolgreiche Versorgung des Betroffenen zu garantieren“, so Stropahl, „denn ein Hörsystem passt immer nur zu dem einen einzigen Gehör und ist nicht an den Nachbarn verleihbar“. Nur das Feintuning, die Anpassung an den Grad des Hörverlusts, Ohrform und sogar Hörvorlieben ermöglicht dem Nutzer optimale Ergebnisse und den besten Ausgleich.

Zunächst erstellt der Fachmann ein Audiogramm, mit dem die Hörleistung des Patienten mit und ohne Hörgerät verglichen wird. „Das subjektive Hörempfinden – Geräuschaufnahme / Lautstärke –  oder vielmehr der ‚Hörgeschmack‘ des Patienten spielt dabei eine große Rolle.“ Den einen stört der tropfende Wasserhahn, Stimmengewirr oder Baulärm, dem anderen ist der Fernseher zu leise. Während der Anpassung können multimedial unterschiedlichste Hörsituationen im Alltag simuliert werden. Anhand verschiedener Formeln ergibt sich so die nötige Voreinstellung des Hörgeräts. Die Grundeinstellungen werden auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst, zunächst lediglich grobe Richtwerte für pegel- und frequenzabhängige Verstärkungen sowie der maximale Ausgangsschalldruckpegel eingestellt.

Geräte müssen im Alltag getestet werden

„Es bedarf oft vieler weiterer feiner Einstellungen, mitunter weiterer Messungen, um das subjektive Empfinden des Trägers zu ermitteln.“ Dazu gehöre vor allem die Test- und Beurteilungszeit in häuslicher Umgebung. Der Patient solle das Hörgerät vor allem im Alltag „ausprobieren“. „Dabei helfen ein Tagebuch oder Fragebögen, in denen notiert wird, in welchen Situationen subjektiv noch nachgebessert werden könnte“, sagt der Experte, „denn der Mensch hat ein nur eingeschränktes akustisches Erinnerungsvermögen und kann oft beim nächsten Termin nicht sagen, ob nach Nachjustierung das Hörvermögen nun besser oder schlechter ist.“

Mit der zusätzlichen In-Situ-Messung misst der Hörgeräteakustiker vor allem, wie das Gerät auf Sprache reagiert. Dabei wird ein winziger Schlauch direkt im Gehörgang vor dem Trommelfell des Patienten platziert. Hierbei ist es auch möglich, die Wirkung von unterschiedlichen Ohrpassstücken (Otoplastiken) zu berücksichtigen.

„Wie lange es dauert, um das Hörgerät perfekt einstellen zu können, ist von Patient zu Patient verschieden, und kann sich in seltenen Fällen auch über ein Jahr erstrecken“, so Stropahl. Kleinste Änderungen müssen vorgenommen werden, um eine sukzessive Annäherung an das optimale und eben persönliche Hörgefühl zu ermöglichen. Mit ein wenig Geduld und enger Zusammenarbeit mit dem Hörgerätakustiker werden Hörgeräte zu einem optimalen Helfer. Die Kosten für Hörsystem, Reparatur und Wartung sowie die Nachsorge werden in der Grundversorgung von der Krankenkasse erstattet.

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