Familiäre Vorbelastung bei Brust- und Eierstockkrebs

Frauen mit einer Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Brust und/oder Eierstockkrebs. (Foto: Fotolia / SENTELLO)
Frauen mit einer Mutation im BRCA1- oder BRCA2-Gen haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Brust und/oder Eierstockkrebs. (Foto: Fotolia / SENTELLO)

In bestimmten Fällen kann ein Gentest sinnvoll sein.

(dbp/fru) Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Derzeit stellen Ärztinnen und Ärzte die Diagnose „Mammakarzinom“ über 70 000 Mal im Jahr. Etwa eine von acht Frauen erkrankt heutzutage im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Dabei steigt das Risiko mit zunehmendem Alter an. Jüngere Frauen sind nur selten betroffen. Ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Erkrankungsrisiko, ab ca. 70 Jahren nimmt es wieder ab. „Wenn auch die häufigste, so ist Brustkrebs in der Regel nicht die gefährlichste Krebsart bei Frauen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar“, sagt die Deutsche Krebsgesellschaft.

Im Vergleich zu Brustkrebs ist der Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) deutlich seltener. Hierzulande werden jährlich etwa 7 300 Erkrankungen gezählt. Diese Krebsart gehört aber zu den aggressivsten Tumoren, warnt die Deutsche Krebsgesellschaft, denn sie wird meist nur sehr spät entdeckt, da lange Zeit keine Symptome auftreten.

Häufung in der Familie

Experten gehen davon aus, dass 5 bis 10 Prozent der Brustkrebserkrankungen auf eine familiäre Veranlagung zurückzuführen sind, erläutert der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Davon sei ein Viertel bis die Hälfte durch eine Genveränderung (Mutation) in einem von zwei Genen bedingt. Die Bezeichnungen der Gene werden mit BRCA1 und BRCA2 abgekürzt. BRCA steht dabei für das englische „Breast Cancer“, also Brustkrebs. „Das veränderte Gen kann vom Vater oder von der Mutter ererbt sein“, erklärt das DKFZ. Frauen erkranken häufiger an Brustkrebs, wenn sie eine solche Genveränderung (BRCA-Mutation) in sich tragen. Und zudem bekommen sie auch häufiger Eierstockkrebs.

In Deutschland erkranken schätzungsweise 65–75 % der BRCA1-Mutationsträgerinnen und 45–65 % der BRCA2-Mutationsträgerinnen bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs – und das häufig früher als Frauen ohne erbliche Belastung, nämlich im Durchschnitt mit etwa 40 anstatt mit 60 Jahren. Das Risiko für Eierstockkrebs ist bei Trägerinnen einer BRCA-Mutation ebenfalls deutlich erhöht. Für Trägerinnen einer BRCA1-Mutation liegt das Erkrankungsrisiko bei etwa 40–50 %, dass sie bis zu ihrem 70. Lebensjahr Eierstockkrebs bekommen, für BRCA2-Mutationsträgerinnen bei 10–20 %.

Engmaschigere Früherkennungsprogramme

„Für erblich belastete Frauen gibt es engmaschige Brustkrebs- Früherkennungsprogramme. Bei Frauen mit BRCA-Mutation können außerdem die vorbeugende Entfernung der Eierstöcke und/oder der Brüste das Erkrankungsrisiko senken“, erklärt das DKFZ. Die regelmäßigen Früherkennungsprogramme für Brustkrebs an den Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs haben zum Ziel, einen sich entwickelnden Brustkrebs möglichst früh zu finden. In frühen Stadien ist Brustkrebs nämlich i.d.R. sehr gut behandelbar. Für Eierstockkrebs gibt es ein solches Früherkennungsprogramm bisher nicht.

Wenn es in der Familie Anzeichen für eine Häufung von Brust- und/oder Eierstockkrebs gibt, können sich Betroffene an eines der 15 Zentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs wenden (www.krebshilfe.de/brustkrebszentren.html) oder an ein anderes qualifiziertes, humangenetisches Zentrum. Das BRCA-Netzwerk kann zudem Kontakt zu anderen Betroffenen vermitteln (www.brca-netzwerk.de). Und schließlich kann auch der Krebsinformationsdienst Auskunft über geeignete Ansprechpartner in der Nähe nennen.