Fachübergreifende Zusammenarbeit

Eine häufige Mundatmung kann bei Kleinkindern ein Symptom für eine funktionelle orofaziale Störung sein. (Foto: Fotolia / Angela Köhler)
Eine häufige Mundatmung kann bei Kleinkindern ein Symptom für eine funktionelle orofaziale Störung sein. (Foto: Fotolia / Angela Köhler)

Bei der Myofunktionellen Therapie arbeiten Logopäden und Kieferorthopäden Hand in Hand.

(dbp/fru) Störungen der Muskulatur im Mund-Gesichtsbereich bezeichnet man in der Fachsprache als „Orofaziale Muskelfunktionsstörungen“. Der Deutsche Bundesverband   für Logopädie (dbl) erklärt auf seinen Internetseiten, dass die Bewegungs- und Koordinationsabläufe sowie das muskuläre Gleichgewicht aller am Schlucken beteiligten Strukturen (Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur) davon betroffen sind. Eine einheitliche Behandlungsleitlinie zur Therapie solcher Symptome liegt derzeit nicht vor. So ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten, Logopäden und Kieferorthopäden sowie -chirurgen notwendig, um betroffenen Patienten zu helfen. Auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können an der sogenannten Myofunktionellen Therapie beteiligt sein.

Beeinträchtigte Aussprache sowie Zahn- und Kieferfehlstellungen

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie zählt Symptome auf, die im Rahmen einer funktionellen orofazialen Störung auftreten können. Dazu gehören unter anderem ein unvollständiger Mundschluss, häufige Mundatmung, vermehrter Speichelfluss, sensorische und motorische Defizite der Zunge (eingeschränkte Zungenbeweglichkeit) oder eine Vorverlagerung der Zunge beim Sprechen durch eine muskuläre Dysbalance im Mund-, Gesichts-, und Halsbereich. „Kommt es zusätzlich zu einem oder mehreren dieser Symptome einer orofazialen Dysfunktion auch zum Zungenstoß gegen die Zähne (Zungenprotrusion), spricht man von einer Myofunktionellen Störung (MFS)“, erläutert der dbl.

Mögliche Folgen einer nicht behandelten funktionellen orofazialen Störung seien laut dbl eine gestörte Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung, eine „feuchte“ Aussprache sowie Artikulationsstörungen bei den Zischlauten (z. B. Schetismus oder Sigmatismus). Beim Schlucken stößt die Zunge zudem permanent gegen die Zähne, was zu Zahn- und Kieferfehlstellungen führen kann.

„Mach doch mal den Mund zu“

Sabine Fuhlbrück, Myofunktionelle Therapeutin aus Leipzig, hat über 20 Jahre Erfahrung mit Orofazialen Muskelfunktionsstörungen und kennt die Symptome ebenfalls. Sie weiß, dass viele Kinder mit vermehrter Mundatmung sich die folgende Aufforderung sehr oft anhören müssen: „Mach doch mal den Mund zu.“ Vergrößerte Rachenmandeln können z. B. die Ursache für die häufige Mundatmung sein. Wenn die Rachenmandeln operativ entfernt werden, entfällt zwar die Ursache, die Angewohnheit, durch den Mund zu atmen bleibt jedoch häufig vorhanden. Diese müsse dann wieder „abtrainiert“ werden.

Überhaupt kann man in Bezug auf orofaziale Störungen sehr viel trainieren. Dabei können z. B. Logopäden und Kieferorthopäden anleiten. Sie nutzen dabei wahrnehmungstherapeutische Methoden, trainieren mit den Patienten die korrekte Lippen- und Zungenruhelage inklusive Mundschluss und Nasenatmung, unterstützen die orofaziale Regulation durch gezieltes Muskelfunktionstraining (mundmotorische Übungen) und bahnen das physiologische Schluckmuster an. Betroffene können das Training dann auch zu Hause weiterführen und dadurch ihre Körperwahrnehmung deutlich verbessern.

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