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Vagusnervstimulation bei therapierefraktärer Epilepsie

Nach derzeitigem Wissensstand besteht Einigkeit darüber, dass die Behandlung der Epilepsie zunächst medikamentös begonnen werden sollte.

Aktuell geht man davon aus, dass etwa 50 Prozent aller Menschen mit Epilepsie mit dem ersten Medikament so therapiert werden können, dass sie anfallsfrei sind. Weitere 15 Prozent mit einem zweiten, weitere vier Prozent mit einem dritten Medikament. Die restlichen Betroffenen können mit Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden.

Mit Hilfe des Vagusnervstimulators kann bei 50 Prozent der Implantierten eine Anfallsreduktion von 50 Prozent erreicht werden. Etwa jeder zweite Patient berichtet nach einem Jahr über eine Stimmungsverbesserung, einer verkürzte postiktale Reorientierungsphase und über eine größere Wachheit. Und das bei nur geringen Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder häufiges Räuspern während der Stimulation. Eine genaue Kenntnis der Wirkmechanismen liegt nicht vor.

In enger Zusammenarbeit mit der Hephata-Klinik in Schwalmstadt werden die geeigneten Patienten für diesen Eingriff ausgewählt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden bislang insgesamt ca. 2.200 Stimulatoren eingesetzt. Eine vergleichsweise kleine Zahl, denn die Stimulatoren kommen nur für ganz bestimmte Epilepsie-Patienten in Frage, nämlich für die, denen medikamentös oder neurochirurgisch nicht geholfen werden kann. In ganz Deutschland gibt es bislang nur 30 Zentren, die die Implantation von Vagusnervstimulatoren vornehmen. Die nächsten liegen von Schwalmstadt aus gesehen in Marburg und Göttingen. Es besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen der Neurologischen Klinik Hephata und unserer Klinik.

Nach eingehender neurologischer Diagnostik und Ausschöpfung aller konservativen Therapien und Auschluß epilepsie-chirugischer Maßnahmen kann die Implantation des Vagusnervstimulators mit den Patienten besprochen werden. Wichtig ist, Ihnen mitzuteilen, dass bei den meisten Patienten keine Anfallsfreiheit zu erreichen ist aber auch, dass eine Verbesserung unter dieser Therapieform im Rahmen der individuellen Einstellung des Stimulators erst in einem Zeitraum von mehreren Monaten eintreten kann.

Die Elektroden des Vagusnervstimulators werden am linken Nervus vagus im Halsbereich angelegt, da dieser hier ca. 80 % Nervenfasern aufweist, die Signale zum Gehirn leiten, während nur ca. 20 % der Nervenfasern für die Reizleitung vom Gehirn zum Körper verantwortlich sind. Der Nervus vagus wird in der Gefäßscheide aufgesucht und isoliert. Anschließend werden die drei Elektroden, die mit einem isolierten Kabel verbunden sind, um den Nervus vagus gelegt. Auf dem Muskulus pektoralis major (großer Brustmuskel) wird nun eine Tasche gebildet und der Generator (ähnlich wie beim Herzschrittmacher) mit dem Kabel nach Untertunnellung verbunden.

Es wird sodann eine Messung durchgeführt, die die korrekte Lage und Funktion bestätigt. Nach endgültigem Platzieren des Generators werden die Wunden mit einem resorbierbaren Intrakutanfaden verschlossen.

Die Funktion wird nun nochmals überprüft. Nach Abschluß der Wundheilung wird der Generator dann ambulant aktiviert und die Stimulation in enger Zusammenarbeit mit den Neurologen und den Patienten schrittweise gesteigert. Über einen Magneten kann der Patient den Generator bei Bedarf selber aktivieren.