Essgestört trotz gesundem Essen

Wer mehr als 3 Stunden am Tag zwanghaft über gesundes Essen nachdenkt, könnte an Orthorexie leiden. (Foto: Fotolia / Kzenon)
Wer mehr als 3 Stunden am Tag zwanghaft über gesundes Essen nachdenkt, könnte an Orthorexie leiden. (Foto: Fotolia / Kzenon)

Bei der Orthorexie werden gesunde Lebensmittel zum Zwang.

(dbp/fru) Das Thema Essen ist ein heikles, denn noch nie gab es in der Geschichte der Menschheit so viele Informationen über Lebensmittel und gleichzeitig so viel Auswahl. Man muss heutzutage schon sehr viel Zeit aufwenden, um sich ein Bild über Zutaten, Herkunft und Fairness der Nahrungsmittel in seinem Einkaufswagen machen zu können. Da liegt es nahe, dass daraus auch ein Zwang werden kann. Wer mehr als 180 Minuten pro Tag über belastete Lebensmittel nachdenkt, ist fixiert auf scheinbar gesundes Essen. Menschen, die unter der sogenannten Orthorexie leiden, verbannen alles vom Teller, was in ihren Augen ungesund oder schädlich ist, heißt es auf den Internetseiten der Schoen Kliniken.

Der „richtige Appetit“

Der Begriff Orthorexie ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern für „richtig“(orthós) und „Appetit“ (órexis). Er wurde erstmals vom amerikanischen Arzt Steven Bratman geprägt, der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bei sich und vielen Gleichgesinnten krankhafte Muster im Umgang mit dem Thema Essen und Diäten entdeckt hatte. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erklärt, dass Betroffene sich zu gesunder Ernährung zwingen und Angst haben, durch ungesunde Ernährung krank zu werden. „Sie definieren dabei selbst, was für sie als gesund gilt. Während einige auf einzelne Lebensmittel (z. B. kein Haushaltszucker) verzichten, streichen andere ganze Lebensmittelgruppen und essen nur noch Rohkost. Ebenso können bestimmte Zubereitungsarten oder fixe Zeitpläne (z. B. nach 18 Uhr nichts mehr essen) zur Mahlzeiteneinnahme das zwanghafte Verhalten prägen, ist auf den Internetseiten der BLE www.in-form.de zu lesen.

Die Orthorexie bestimmt dann den Tagesablauf, die Gefühle sowie die privaten und beruflichen Entscheidungen der Betroffenen. Es handelt sich also um eine Essstörung, die professionell behandelt werden müsste. Das Problem: Aus wissenschaftlich medizinischer Sicht wird Orthorexie (noch) nicht als Erkrankung eingestuft. Die BLE weist auch darauf hin, dass bislang weder Leitlinien zur Therapie einer Orthorexie noch ein Behandlungsplan existieren. Bestehen Zweifel, ob das eigene Essverhalten oder das von Freunden und Angehörigen „normal“ ist, sollte ein Psychotherapeut mit Spezialisierung auf Essstörungen um Rat gefragt werden. Bei extremem Gewichtsverlust oder Abfall des Leistungsvermögens ist eine ärztliche Behandlung notwendig.

Keine klassische Essstörung

Im Wesentlichen werden von Medizinern bislang drei Hauptformen von Essstörungen unterschieden: die Magersucht (Anorexia nervosa), die  Bulimie (Bulimia nervosa) und die Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder). Diese drei klassischen Essstörungen sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Zum Teil existieren auch Mischformen. Ob es sich beim orthorektischen Ernährungsverhalten um eine weitere Essstörung handelt, wird derzeit noch diskutiert.

Denn bei allen Unterschieden gibt es auch Gemeinsamkeiten: „Meist wird die subjektive Definition gesunder Ernährung im Verlauf strenger. Damit werden die erlaubten Lebensmittel nach und nach weiter reduziert. Dies birgt die Gefahr einer Unterversorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen. Eine Mangelernährung kann die Folge sein“, warnt die BLE. Schätzungen zufolge zeigen ein bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung ein orthorektisches Ernährungsverhalten. Dabei sind überwiegend jüngere Frauen betroffen.

Autor:

Weiterführende Links

Beitrags-ID:
4988608
Kategorie(n):
Quellenangaben:
Onlineinformationen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) unter https://www.in-form.de/buergerportal/ service/bewusste-ernaehrung/ernaehrung-und-gesundheit/orthorexie-wenn-gesund-essen-zum-zwang-wird.html (alle abgerufen im März 2017)