Es muss nicht immer Kortison sein

Solebäder lindern den Juckreiz und hemmen Entzündungen. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)
Solebäder lindern den Juckreiz und hemmen Entzündungen. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)

Auch Photo-, Bade- und Klimatherapien eignen sich zur Behandlung von Neurodermitis

(dbp/nas) Neurodermitis, atopisches oder endogenes Ekzem – das sind Bezeichnungen für ein und dieselbe Krankheit. Die Haut ist gerötet und sehr trocken, schuppig und rissig. Sie entwickelt Bläschen, Knötchen und Schwielen und die Betroffenen leiden vor allem an quälendem Juckreiz. Durch Kratzen können Entzündungen und Infektionen entstehen, die das Hautbild weiter verschlechtern.

„Das Problem ist die Hautbarriere“, erklärt Dr. Kirsten Jung vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Sie vergleicht diese Barriere mit einer Mauer aus Ziegelsteinen, die von Mörtel zusammengehalten werden. Dieser „Mörtel“ ist bei Neurodermitis-Patienten anders zusammengesetzt als bei gesunden Menschen und klebt nicht gut genug. Die Folge: Die Mauer stürzt ein. Dadurch werden Warnsignale in die Tiefe der Haut gesendet, die melden: Es ist „Gefahr in Verzug“. Die Haut reagiert auf mögliche Eindringlinge mit einer Entzündung.

Salben und Cremes gegen den Juckreiz

Leidet der Patient unter einem akuten Schub, steht die Behandlung der entzündlichen Hautreaktion und eine Linderung des Juckreizes im Vordergrund. „Dabei kommt nicht zwangsläufig Kortison zum Einsatz“, sagt Dr. Jung. Insbesondere für Stellen, an denen die Haut besonders zart und dünn ist – zum Beispiel im Gesicht oder in den Achseln – stehen inzwischen Produkte mit anderen Wirkstoffen zur Verfügung. Gegebenenfalls ist Kortison aber nach wie vor das Mittel der Wahl für eine schnelle Linderung, in schweren Fällen auch als Medikament zur „systemischen“ Therapie.

Behandlungsziel: Akute Schübe vermeiden

Ziel ist es laut Dr. Jung aber, dass es möglichst gar nicht erst zu schweren Schüben kommt. In einer Neurodermitis-Schulung sollen die Patienten „zu ihrem eigenen besten Hautarzt werden“, wie die Expertin es formuliert: Zusammenhänge verstehen und sich gut um die eigene Haut wie auch um die Psyche kümmern lernen. Patientenschulungen für Erwachsene gehören allerdings nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Die Basistherapie bei Neurodermitis ist das sorgfältige und regelmäßige Nachfetten. Dabei können die Patienten je nach Jahreszeit und eigenen Vorlieben zu verschiedenen Produkten greifen – Hauptsache, sie fühlen sich wohl damit, betont Dr. Jung. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage, auf der sich eine allgemeingültige Empfehlung für bestimmte Inhaltsstoffe in der Basistherapie ableiten ließe. Die Phototherapie, also die Behandlung mit UV-Licht in verschiedenen Wellenlängen ist eine weitere mögliche Behandlungsform. Bei der Sole- oder Badetherapie werden bestimmte Inhaltsstoffe des Meerwassers genutzt, kombiniert mit UV-Licht nennt man diese auch Balneo-Phototherapie. Bei einer Klimatherapie am Meer wirken beide Elemente ganz automatisch zusammen.

Dr. Jung warnt vor alternativen Methoden wie Bachblüten oder Pendeln, deren mögliche Wirkung lediglich auf dem Placebo-Effekt beruht. Vorsicht sei auch bei Heilversprechen von Mittelchen und Tinkturen im Internet geboten: Viele dort angebotenen Stoffe enthalten versteckte Allergene oder kortisonähnliche Substanzen.