Es muss nicht immer ein Berg sein

Ab ins Grüne – am Wochenende einfach mal die Familie einpacken und eine Wanderung unternehmen. (Foto: Fotolia / nullplus)
Ab ins Grüne – am Wochenende einfach mal die Familie einpacken und eine Wanderung unternehmen. (Foto: Fotolia / nullplus)

Wandern tut auch im Flachland gut.

(dbp/spo/fru) Durch die Berge marschieren, die Natur und die frische Luft genießen – Wandern liegt wieder im Trend. Und das ist auch gut so, denn wer sich von der neuen Wanderlust anstecken lässt, tut damit viel Gutes für seine Gesundheit. Auch ein geringer Anstrengungsgrad wie beim Wandern leistet auf Dauer bemerkenswerte positive Wirkungen auf die Befindlichkeit, erklärt der Marburger Natursoziologe Dr. Rainer Brämer auf dem Portal www.wanderforschung.de. Beim Wandern sollte seiner Ansicht nach der Spaß an der Bewegung im Freien im Vordergrund stehen und nicht unbedingt der Fitnesscharakter: „Schnaufen und Stretchen schaden zwar nicht, müssen aber nicht sein, insbesondere dann nicht, wenn sie einem als Pflichteinlage die Lust an der Bewegung nehmen.“

Viele positive Effekte auf die Gesundheit

Laut Dr. Brämer verbrennt der Mensch bei einem Kilometer im zügigen Gehen ähnlich viel Energie wie auf der gleichen Strecke im Joggen – das Verbrennen dauere nur länger. Wandern stärkt auch das Immunsystem, hilft, den Stoffwechsel zu normalisieren und fördert, weil es in der Regel auch bergauf geht, die Durchblutung. Es muss jedoch nicht immer ein Berg sein, auf dem man wandert. Das Wandern zeigt auch im Flachland Wirkung: Das Ausdauergehen kann das Risiko senken, an Krebs zu erkranken (vor allem Brust- und Darmkrebs), es hilft, Übergewicht und das gesundheitsschädliche LDL-Cholesterin abzubauen, senkt den Blutdruck und stärkt Muskeln, Knochen sowie Gelenke und Sehnen.

Die Nebenwirkungen sind in der Regel zu vernachlässigen: heiße Füße und die ein oder andere Blase können den Spaß am Wandern ein bisschen trüben. Wer solche Unannehmlichkeiten vermeiden möchte, sollte sich anfangs nicht zu viel zumuten und auf die richtige Ausstattung achten. Richtige Bergschuhe braucht aber nur jemand, der in einer Felsregion Kletterpfade erklimmt, so Dr. Brämer. Ansonsten reichen Multifunktionsschuhe aus, also leichte Wanderschuhe. Entscheidend ist dabei eine griffige Sohle. Schuhe sollten vorne nicht elegant schmal, sondern eher breit geschnitten sein und grundsätzlich nachmittags gekauft werden – denn im Laufe des Tages wird der Fuß etwas größer. An der Ferse muss der Schuh richtig sitzen, damit der Fuß einen guten Halt hat. Und noch ein Tipp zum Vermeiden von Blasen: Zwei Paar Strümpfe übereinander tragen – erst einen dünnen, darüber einen dickeren. So reiben beim Laufen die Stoffe aneinander und nicht der Stoff an der Haut.

Wandern als Stimmungsaufheller

Wer auf Dauer mental erschöpft ist, kann diesen Zustand im Grünen am schnellsten wieder loswerden. „Das ist für mich eine Begründung, warum das Wandern neuerdings wieder so viele Anhänger findet. Denn es sind vor allem die Kopf-Sitz-Arbeiter, die sich laut der Profilstudie Wandern draußen entlasten“, sagt Dr. Brämer. Dabei ist das Entscheidende nicht die Zahl der Kilometer, sondern die Qualität der Tour: Kilometerfressen ist out, im Vordergrund steht der Landschaftsgenuss, erklärt der Wanderexperte.

Wandern sei auch ein echter Stimmungsaufheller. Deswegen wird das Wandern sogar in der Psychotherapie eingesetzt, etwa bei leichten Depressionen. Hinzu kommt, dass man sich in der Natur bewegt. Allein das Erlebnis schöner Landschaft hellt Untersuchungen zufolge unsere Stimmung enorm auf. Und das kann man dann tatsächlich am Hormonspiegel ablesen.