Es muss nicht immer der Rücken sein

Rückenschmerzen können auch von Fehlstellungen im Kiefer oder von Störungen im Iliosakralgelenk ausgehen. (Foto: Lars Zahner / Fotolia)
Rückenschmerzen können auch von Fehlstellungen im Kiefer oder von Störungen im Iliosakralgelenk ausgehen. (Foto: Lars Zahner / Fotolia)

Schmerzen in der Wirbelsäule haben ihre Ursache manchmal ganz woanders

(dbp/auh) Chronische Rückenschmerzen können sehr viele Ursachen haben. Oft liegt das eigentliche Problem gar nicht dort, wo es weh tut. Selbst, wenn tatsächlich Veränderungen an der Wirbelsäule festgestellt werden, kann der Auslöser für die Beschwerden ein anderer sein.

Vom Zahn bis zu den Zehen

Ein kleines Experiment veranschaulicht, wie buchstäblich alles vom Zahn bis zu den Zehen miteinander in Verbindung steht: Stellen Sie sich ohne Schuhe gerade hin, die Beine einen Fußbreit auseinander. Schließen Sie den Mund und merken Sie sich, wo sich Ihre Zähne zuerst berühren. Dann legen Sie etwas unter einen Fuß, zum Beispiel ein dünnes Buch von etwa einem Zentimeter Stärke und wiederholen die Übung. Sie werden merken, dass sich der Biss sofort ändert.

Ganzheitlich orientierte Zahnärzte und Kieferorthopäden machen mit der Aufforderung zu diesem Selbstversuch darauf aufmerksam, dass man den Kiefer und die Wirbelsäule als Einheit betrachten sollte. Rückenschmerzen, für die es scheinbar keine Erklärung gibt, können von einer Kieferfehlstellung und von der dadurch bedingten craniomandibulären Dysfunktion (CMD) ausgelöst werden.

Am Beginn der Behandlung von CMD steht eine individuell angepasste Aufbiss-Schiene (Okklusionsschiene), die meist nur nachts getragen werden muss. „Nur wenn die Schiene die Körperstatik positiv beeinflusst, werden sich die Beschwerden verbessern oder sogar völlig verschwinden“, erläutert der CMD-Dachverband.

Zwischen Kreuzbein und Darmbein

Auch am anderen Ende der Wirbelsäule, am Übergang zum Becken, befindet sich ein möglicher Verursacher für chronische Rückenschmerzen, der bei der Diagnostik nicht immer berücksichtigt wird: Das Iliosakralgelenk (auch als Sakroiliakalgelenk oder Kreuzdarmbeingelenk bezeichnet) ist nach Schätzungen von Orthopäden für etwa 22 Prozent der Patienten mit Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich verantwortlich.

Die Iliosakralgelenke (ISG) verbinden auf beiden Seiten der Wirbelsäule das Darmbein mit dem Kreuzbein. Sie sind viel weniger beweglich als andere Gelenke, weil sie von straffen Bändern fixiert werden. Krankhafte Veränderungen an diesen Gelenken können zu tiefsitzenden Schmerzen im unteren Rücken führen, die bis in die Rückseite des Oberschenkels, in den Po, in die Leiste oder in die Hüfte ausstrahlen.

Rheuma oder Trauma

Funktionsstörungen im ISG können sehr viele unterschiedliche Ursachen haben: Fehl- und Überbelastungen, Traumata (Sturz, Unfall oder Symphysenriss beim Gebären), Fehlstellungen anderer Gelenke, frühere Operationen an der Wirbelsäule, aber auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Bechterew.

Zur sicheren Diagnostik gibt es mehrere sogenannte Provokationstests. Dabei liegt der Patient in unterschiedlichen Positionen auf einer Liege, während der Arzt ganz bestimmte Griffe ausführt oder an bestimmten Stellen Druck ausübt. An den Reaktionen des Patienten kann der Arzt ablesen, ob die Schmerzen vom ISG ausgehen können. Bestätigt sich der Verdacht, wird die Diagnose mithilfe von Schmerzmittelinjektionen ins Gelenk abgesichert.