Es kommt nicht nur auf den Wirkstoff an

In der Apotheke sollten sich auch erfahrene Chroniker das Inhalationsgerät erklären lassen. (Foto: Dan Race / Fotolia)
In der Apotheke sollten sich auch erfahrene Chroniker das Inhalationsgerät erklären lassen. (Foto: Dan Race / Fotolia)

Bei vielen Medikamenten besteht erhöhter Beratungsbedarf bezüglich der Handhabung

(dbp/auh) Die Beratung in der Apotheke ist wichtiger, als man denkt. Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) hat ergeben: 31 Prozent der verordneten Medikament sind schon wegen ihrer Darreichungsform besonders beratungsbedürftig.

Das Problem: Den Ärzten, die ein Arzneimittel verschreiben, ist oft gar nicht bewusst, dass ihre Patienten mit der richtigen Anwendung des Medikaments Probleme haben könnten. Fehler in der Handhabung können aber fatale Folgen haben. Das betrifft nicht nur die Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit Alkohol, Lebensmitteln oder weiteren Medikamenten.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) empfiehlt daher jedem Kunden, der ein Medikament in der Apotheke holt, sich detailliert beraten zu lassen. „Der Apotheker beantwortet auch vermeintlich einfache Fragen, etwa, ob eine Tablette geteilt werden darf oder wie ein Patient, der schlecht sieht, seine Tropfen richtig abzählt“, sagt Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin und stellvertretende Sprecherin der ABDA.

Diese Empfehlung bezieht sich auch auf Patienten mit chronischen Erkrankungen, die seit Jahren den gleichen Wirkstoff einnehmen und deshalb subjektiv keinen Beratungsbedarf haben. Denn: Es kommt nicht nur auf den Wirkstoff an.

Große Probleme beim richtigen Inhalieren

Ein deutliches Beispiel für mögliche Risiken bei der falschen Handhabung von Medikamenten sind die sogenannten Inhalativa zur Behandlung von Asthma bronchiale und COPD (eine chronische Lungenerkrankung). Der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Hausen aus Essen schreibt in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Der Allgemeinarzt (2/2015): „Wir wissen, dass 40 bis 80 Prozent aller Patienten bei der Inhalation entscheidende Fehler machen und damit eine ausreichende Deposition der Pharmaka in den Atemwegen verhindern.“ Und weiter: „Wo nichts ankommt, kann auch nichts wirken.“ Aus seiner Praxis berichtet Dr. Hausen von Fehlern seiner Patienten, die man „sich überhaupt nicht hat vorstellen können“.

Das Problem ist den Apothekern bekannt. Gabriele Overwiening, Mitglied im Vorstand der Bundesapothekerkammer Gabriele Overwiening, rät: „Viele langjährige Patienten sind davon überzeugt, dass sie ihre Medikamente richtig anwenden. Aber viele Inhalationssysteme sind kompliziert. Die Folge: Sprays oder Pulverinhalatoren werden nicht immer korrekt bedient.“

Hinzu kommt: Erhält ein Patient wegen eines Rabattvertrags ein anderes Präparat als gewohnt, kann eine andere Handhabung erforderlich sein. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Inhalativa (Dosieraerosole und Pulverinhalatoren), die völlig anders angewendet werden müssen.

Unterschiede Dosieraerosole und Pulverinhalatoren

Dosieraerosole funktionieren wie kleine Spraydosen. Sie sollten vor der Inhalation kräftig geschüttelt werden. Das Mundstück muss bei der Inhalation nach unten zeigen und wird mit den Lippen fest umschlossen. Die Patienten sollten bei der Inhalation ganz langsam und tief einatmen und den Atem anschließend etwa zehn Sekunden lang anhalten.

Ganz anders bei den Pulverinhalatoren: Hier muss die Inhalation so schnell, kräftig und tief erfolgen wie nur eben möglich. So wird der notwendige Atemstrom aufgebaut, damit die Pulverpartikel in sehr kleiner Form in die Lunge gelangen. Die korrekte Anwendung eines Pulverinhalators ist wiederum vom verwendeten Gerätetyp abhängig.