Erschwerte Nahrungsaufnahme

Patienten mit ausgeprägten Schluckstörungen können Nahrung und Flüssigkeit nicht richtig zu sich nehmen. Da kann das Trinken eines Schlucks Wasser schon eine Qual sein. (Foto: Fotolia / Gina Sanders)
Patienten mit ausgeprägten Schluckstörungen können Nahrung und Flüssigkeit nicht richtig zu sich nehmen. Da kann das Trinken eines Schlucks Wasser schon eine Qual sein. (Foto: Fotolia / Gina Sanders)

Dysphagie-Patienten leiden unter Schluckstörungen.

(iwg/fru) Für die meisten Menschen ist Schlucken ein selbstverständlicher Vorgang. Sie nehmen alle Arten von Speisen und Getränken problemlos zu sich. Der Schluckvorgang ist jedoch ein komplizierter Prozess, an dem viele Strukturen des Organismus zusammenwirken. Wenn es dabei Beeinträchtigungen gibt, spricht man von einer organischen Dysphagie oder Schluckstörung. Ursachen dafür können Erkrankungen im Bereich der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre und des Mageneingangs sein. Zudem können laut Deutschem Bundesverband für Logopädie (dbl) auch neurologische Leiden wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Schädel-Hirn-Traumata (MHT), Multi-System-Atrophien, Multiple Sklerose (MS) oder eine Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ursächlich sein. Und nicht zuletzt kommen auch psychische Störungen als Auslöser infrage.

Bei Schluckstörungen zum Arzt oder Logopäden

Da Schluckstörungen mit körperlichen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen einhergehen, bedürfen sie immer einer Abklärung. „Im Patientengespräch erfragt der Arzt oder Logopäde zunächst die Vorgeschichte (Anamnese) sowie die auftretende Symptomatik und aktuelle Ernährungssituation des Patienten“, veranschaulicht der dbl die Vorgehensweise bei der Untersuchung. Anschließend werde die Motorik und Sensorik im Gesicht und Mund geprüft, bevor der Schluckvorgang bei unterschiedlicher Nahrung (breiig, fest oder flüssig) gezielt beobachtet wird.

So fällt dann auf, wenn z. B. die Führung des Löffels zum Mund erschwert ist, der Patient seine Nahrung nur ganz langsam kaut, ein Nahrungsverlust durch die Lippen erfolgt oder er sich dabei schnell und häufig verschluckt – alles Symptome, die auf eine Dysphagie hinweisen können. Zusätzlich kann der Arzt auch eine Untersuchung des Schluckens, z. B. mittels einer endoskopischen Videoaufnahme (FEES) durchführen. Dabei assistiert in der Regel ein Logopäde.

Mangelernährung vermeiden

„Nach der differenzierten ärztlichen und logopädischen Diagnostik führen Logopäden und Sprachtherapeuten eine Schlucktherapie durch mit dem Ziel, die Schluckfähigkeit wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten“, erklärt der dbl. Dabei kommen verschiedene zielgerichtete Übungen für die betroffene Muskulatur zum Einsatz. Es wird aber auch auf Haltungsänderungen und speziellen Lagerungen hingearbeitet und über eine Nahrungsanpassung inkl. Empfehlungen zum Kostaufbau beraten. Auch über notwendige Hilfsmittel wird aufgeklärt.

Wenn die Schluckstörung nicht vollständig beseitigt werden kann, sollte das Ziel sein, zumindest die Selbstständigkeit des Patienten bei der Nahrungsaufnahme weitestgehend zu erhalten. Denn ansonsten droht eine Mangelernährung (Malnutrition). Dysphagie-Patienten haben oft aufgrund der Änderung der Nahrungskonsistenz mit einer verminderten Nährstoffzufuhr zu kämpfen, was zu einem Verlust an Körpergewicht und Muskelmasse führen kann. Folgen einer Mangelernährung können auch eine Verschlechterung der Immunabwehr und eine allgemeine Abnahme der Lebensqualität sein. Bei gravierenden Schluckstörungen kann eine spezielle Nährlösung über eine Nasensonde in den Magen geführt werden. Muss die Ernährung über längere Zeit künstlich gewährleistet werden, kann eine sogenannte PEG-Sonde zum Einsatz kommen, um Nahrung und Flüssigkeit durch die Bauchdecke in den Magen zu führen.