Ergotherapie: Die Stütze gegen Stürze

Ein von Ergotherapeuten begleiteter Spaziergang mit kleinen Hindernissen gehört bei vielen Sturzpatienten zum Behandlungsprogramm. (Foto: JPC-PROD/Fotolia)
Ein von Ergotherapeuten begleiteter Spaziergang mit kleinen Hindernissen gehört bei vielen Sturzpatienten zum Behandlungsprogramm. (Foto: JPC-PROD/Fotolia)

Mit dem richtigen Training können sich ältere Menschen vor dem Hinfallen schützen

(dbp/spo) Manchmal passiert es beim schnellen Aufstehen: Plötzlich ist der Schwindel da, der sichere Halt weg und der Sturz vorprogrammiert. Gerade bei Älteren können solche Unfälle schwere gesundheitliche Folgen haben. Ergotherapeuten helfen dabei, Gestürzte wieder auf die Beine zu bringen und sie vor dem erneuten Hinfallen zu schützen.

Sturzprophylaxe heißt die Lösung. Sie wird sowohl stationär bei einem Klinikaufenthalt, als auch in ambulanten Ergotherapiepraxen angeboten. Wer sich nicht mehr aus der Wohnung traut, zu dem kommen die Behandler oft sogar nach Hause.

Bettina Kuhnert ist Ergotherapeutin in der Fabricius-Klinik Remscheid. Eine Sturzprophylaxe sollte kein 0815-Programm sein, sagt sie. Je nachdem, warum der Patient gestürzt ist oder zu stürzen droht, müsse die Therapie unterschiedlich aussehen. „Deshalb fangen wir erst einmal mit einer Bestandsaufnahme an.“ Die Ursache für den Sturz ist meist schnell gefunden: etwa Lähmungen nach einem Schlaganfall, Schwindelanfälle, eine eingeschränkte Sensibilität der Füße oder Stolperfallen in der Wohnung. Daran orientiert sich schließlich die Therapiegestaltung.

Üben, bewusst zu gehen

„Wenn den Patienten zum Beispiel die Kraft fehlt, die Füße richtig zu heben, braucht es für einen Sturz nur eine kleine Unebenheit. Dann würden wir das Fußheben trainieren. Und auch die Wahrnehmung, das bewusste Gehen“, erklärt Bettina Kuhnert. In der Praxis kann das zum Beispiel einen begleiteten Spaziergang vor der Haustür bedeuten – inklusive des Überwindens von Bordsteinen oder unebenen Gehwegplatten.

Sorgen wiederum Blutdruckschwankungen für Schwindelgefühle, würde man möglicherweise trainieren, nach dem Aufstehen erst kurz abzuwarten, bevor man haltlos durch die Wohnung läuft. „Und zwar auch, wenn das Telefon klingelt“, sagt Bettina Kuhnert. „Viele warten dann nämlich gerade nicht, gehen schnell los und stürzen.“

Was die meisten nicht wissen: Vor allem ambulant arbeitende Ergotherapeuten bieten zu Hause auch Wohnberatungen an. Das heißt, sie suchen in der Wohnung des Patienten nach Stolperfallen und geben Tipps, wie diese abgebaut werden können. Zudem schulen sie die Patienten im Umgang mit Hilfsmitteln wie Rollatoren, Haltegriffen oder Ähnlichem.

Ängste abbauen

Vieles, was Ergotherapeuten trainieren, betrifft die Motorik und Körperbeherrschung. Darüber hinaus arbeiten sie aber auch verhaltenstherapeutisch. „Bei Menschen, die Angst haben, erneut zu stürzen, gibt es eine große psychische Komponente“, weiß Bettina Kuhnert. Manche trauen sich kaum noch vor die Tür und starten so einen Teufelskreis: Weniger Bewegung heißt weniger Muskeln, heißt weniger Selbstvertrauen und ein schlechtes Körpergefühl. Damit steigt das Sturzrisiko sogar noch. Doch auch dagegen kennen Ergotherapeuten Mittel.

Eine Sturzprophylaxe kann bei Bedarf ärztlich verordnet werden. Dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Gleiches gilt für die Wohnberatung.