Entspannter Start ins Stillen

Das Stillen funktioniert nicht immer ohne Probleme. Babyfreundliche Krankenhäuser wollen Mama und Kind den Einstieg besonders leicht machen. (Foto: Artranq / Fotolia)
Das Stillen funktioniert nicht immer ohne Probleme. Babyfreundliche Krankenhäuser wollen Mama und Kind den Einstieg besonders leicht machen. (Foto: Artranq / Fotolia)

Nachgeforscht: Was macht ein Krankenhaus besonders „babyfreundlich“?

(dbp/spo) Nur das Beste für Mutter und Kind – das wollen alle Kliniken mit Geburtsstation. Doch einige von ihnen tragen zusätzlich das Zertifikat „Babyfreundlich“ von WHO und Unicef.

Welche Kliniken dürfen das Siegel „Babyfreundlich“ tragen?

Um das Zertifikat zu bekommen, muss eine Geburtsklinik nachweisen, dass sie die sogenannten B.E.St.-Kriterien erfüllt, erläutert die Initiative „Babyfreundlich“. Das steht für Bindung, Entwicklung, Stillen. Die Klinik zeigt damit, dass es ihr besonders wichtig ist, die enge Bindung zwischen Mutter und Kind, folglich eine optimale Entwicklung des Säuglings, und das Stillen zu fördern.

Wie wird das Stillen gefördert?

Zum Beispiel wird das Personal zum Thema Stillen besonders geschult. Den Müttern soll etwa erklärt werden, welche Signale ein Baby sendet, wenn es an die Brust will, und dass es nach Bedarf gestillt werden soll, nicht nach Uhrzeit. Frühstücks- und Abendbuffets statt starrer Essenszeiten sollen helfen, ganz entspannt einen individuellen Stillrhythmus zu finden.

Die Babys bekommen keine anderen Flüssigkeiten außer Muttermilch – auch keine Zuckerlösungen. Es sei denn, es ist medizinisch notwendig. Nicht einmal Werbung für Muttermilchersatzprodukte ist erlaubt. Und: Die meisten babyfreundlichen Kliniken bieten eine 24-Stunden-Hotline an, die bei Fragen oder Stillproblemen unterstützen soll.

Ein weiterer Punkt: Den Säuglingen werden von Klinikseite aus keine Schnuller angeboten, da sie das Saugverhalten beeinflussen können. Auch Brusthütchen sollen laut dem Anforderungskatalog für die Zertifizierung nur in begründeten Ausnahmefällen verwendet werden. Soll das Baby trotzdem einen Schnuller bekommen, müssen die Eltern ihn selbst mitbringen.

Sind auch Mütter willkommen, die nicht stillen wollen?

Ja. Jede Mutter darf selbst entscheiden, ob sie ihr Baby stillt oder nicht. In einer babyfreundlichen Klinik soll nicht-stillenden Müttern gezeigt werden, wie sie auch beim Fläschchenfüttern Wärme und Geborgenheit schenken. Jedoch sollen sie auch ermutigt werden, ihren Babys das bereits vorhandene Kolostrum – die nahrhafte Vormilch vor dem Milcheinschuss – zu geben.

Was wird für die Mutter-Kind-Bindung (Bonding) getan?

Das 24-Stunden-Rooming-In, also die Möglichkeit, dass Mutter und Kind Tag und Nacht zusammen sind, ist Standard. Dies ist inzwischen auch anderswo die Regel. Babyfreundliche Kliniken achten aber zum Beispiel auch darauf, dass nach der Geburt mindestens eine Stunde lang (oder bis zum ersten Anlegen) enger Hautkontakt zwischen Mutter und Kind besteht. Das heißt: Es darf nach der großen Anstrengung erst einmal ausgiebig und nackig gekuschelt werden – erst dann folgt das Wiegen und Messen.

In Deutschland gibt es über 90 Geburts- und Kinderkliniken mit dem Zertifikat „Babyfreundlich“. Die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig überprüft.