Entscheidung zu Lebzeiten entlastet die Angehörigen

Auf der Rückseite des Organspendeausweises kann man ankreuzen, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte oder nicht. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)
Auf der Rückseite des Organspendeausweises kann man ankreuzen, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte oder nicht. (Foto: Alexander Raths / Fotolia)

Gegner und Befürworter der Organspende sollten ihren Willen dokumentieren

(dbp/auh) Seit mehr als 30 Jahren wird jeweils am ersten Samstag im Juni zum „Tag der Organspende“ aufgerufen. Ziel des Aktionstages ist nicht, wie man vermuten könnte, dass sich möglichst viele Menschen zur Organspende bereit erklären. Ziel ist es vielmehr, dass sich möglichst viele Menschen über das Thema Organspende informieren, damit sie eine Entscheidung treffen können.

Ein Organspendeausweis schafft Klarheit und entlastet die Angehörigen. Bisher haben nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) nur 28 Prozent der Deutschen ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis schriftlich festgehalten. Laut DSO müssen in neun von zehn Fällen die Angehörigen im Krankenhaus entscheiden, ob und wenn ja, welche und wie viele Organe entnommen werden dürfen. In einer ohnehin schon psychisch belastenden Situation mit solchen Fragen konfrontiert zu werden, ist eine Zumutung.

Organspendeausweis macht vieles leichter

Viele sind damit überfordert, wenn das Thema zu Lebzeiten nicht zur Sprache gekommen ist. Im schlimmsten Fall fühlen sie sich zu einer Entscheidung gedrängt, die sie später bitter bereuen. Auch für Ärzte ist es nicht leicht, den verzweifelten Menschen die Hirntoddiagnose ihres geliebten Verwandten zu überbringen und gleichzeitig die Einwilligung zur Organentnahme zu erbitten. Doch ihnen bleibt nichts anderes übrig, wenn es keinen dokumentierten Willen gibt.

Mit der Familie über die Entscheidung sprechen

Dennoch sollte niemand eine Entscheidung treffen, ohne sich über das Thema eingehend informiert zu haben. Wer einen Organspendeausweis ausfüllt, spricht am besten mit seinen Angehörigen darüber. Auf dem Ausweis kann man übrigens nicht nur „ja“ oder „nein“ ankreuzen. Es gibt fünf alternative Möglichkeiten der Willenserklärung:

1. Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden.

2. Ja, ich gestatte dies, mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe: (hier kann man eintragen, welche Organe und Gewebe nicht entnommen werden dürfen)

3. Ja, ich gestatte dies, jedoch nur für folgende Organe/Gewebe: (hier steht, welche Organe und Gewebe ausschließlich gespendet werden sollen)

4. Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben.

5. Über Ja oder Nein soll dann folgende Person entscheiden: (hier folgen Name und Anschrift der ausgewählten Person).

Folgende Organe und Gewebe können gespendet oder von der Spende ausgeschlossen werden: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm, Horn- und Lederhaut der Augen, Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen-, Knorpel- und Weichteilgewebe sowie Gewebe, die aus Bauchspeicheldrüse oder Leber gewonnen werden.

Die Krankenkassen schicken ihren Versicherten alle zwei Jahre einen Organspendeausweis zu, verbunden mit der Aufforderung, die persönliche Entscheidung in diesem Dokument schriftlich festzuhalten. Natürlich wird niemand dazu verpflichtet, das auch zu tun.

Nur, wenn der Hirntod eines Menschen nach den Richtlinien der Bundesärztekammer eindeutig festgestellt wurde, kommt eine Organentnahme infrage. Das trifft laut DSO auf etwa ein Prozent der jährlich rund 400.000 Menschen zu, die in einem Krankenhaus in Deutschland sterben. 2013 gab es 876 Organspender.