Endlich wieder schmerzfrei gehen

Wenn die Arthroseschmerzen im Knie unerträglich werden, kommt für viele Patienten ein künstliches Gelenk infrage. (Foto: westfotos.de / Fotolia)
Wenn die Arthroseschmerzen im Knie unerträglich werden, kommt für viele Patienten ein künstliches Gelenk infrage. (Foto: westfotos.de / Fotolia)

Moderne Knieprothesen verhelfen Arthrosepatienten zu neuer Beweglichkeit

(dbp/wgt) Wenn jeder Schritt zur Qual wird und die Schmerzen im Knie selbst im Ruhezustand anhalten, dann ist für viele Arthrosepatienten der Zeitpunkt gekommen, an dem nur noch ein künstliches Kniegelenk eine Linderung der Beschwerden verspricht.

Doch nicht immer ist ein vollständiger Ersatz des Kniegelenks erforderlich. Ist nur die Innen- oder Außenseite geschädigt, dann reicht es mitunter aus, lediglich den betroffenen Teil durch eine sogenannte Schlittenprothese zu ersetzen, erläutert Dr. Thomas Heyse, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Marburg: „Der Eingriff ist weniger invasiv, dadurch ist nicht nur der Blutverlust geringer, sondern auch die Gefahr von Thrombosen.“ Außerdem bleiben die intakten Gelenkteile erhalten, sodass eine schnellere Rehabilitation gewährleistet ist. Ein Teilersatz kommt laut Heyse jedoch nur bei maximal 30 Prozent der Patienten in Frage.

Große Auswahl erlaubt individuelle Anpassung

Stellt der Orthopäde eine erhebliche Schädigung des Gelenks fest, dann wird er zu einer Totalendoprothese raten. „In den meisten Fällen kommt dabei eine Oberflächenersatzprothese zum Einsatz“, so Dr. Heyse. Das künstliche Implantat aus Metall ersetzt die geschädigten Gelenkflächen. Der Chirurg entfernt zunächst die abgenutzten Knorpeloberflächen an Oberschenkel- und Schienbeinknochen. Dann passt er den oberen und unteren Teil der Gelenkprothese individuell an. Dazu stehen Implantate in unterschiedlichen Größen und Varianten zur Auswahl. Zwischen die beiden Gelenkteile wird eine künstliche Gleitfläche aus Polyethylen eingefügt, die das reibungslose Funktionieren des neuen Gelenks ermöglicht.

Wenn die Gelenkknochen stark geschädigt sind, eine Instabilität der Seiten- und Kreuzbänder vorliegt oder der Patient ausgeprägte O- oder X-Beine hat, stößt aber auch der Einsatz einer Oberflächenersatzprothese an Grenzen. Um eine höhere Stabilität zu gewährleisten, werden dann teilgekoppelte oder gekoppelte Implantate verwendet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit einem Metallstab tief im Ober- und Unterschenkelknochen verankert werden. Das ist gleichzeitig auch ihr entscheidender Nachteil. Denn mit den großen Verankerungen ist ein erheblicher Knochenverlust verbunden.

Computer assistieren bei der Knieoperation

Das Ergebnis einer Kniegelenkoperation hängt jedoch nicht nur vom Implantat ab. Ganz entscheidend kommt es darauf an, dass das künstliche Gelenk achsgerecht eingesetzt wird. So kann ein frühzeitiger Abrieb der Gleitfläche aus Polyethylen verhindert und die optimale Haltbarkeit von rund 15 Jahren auch erreicht werden. Viele Chirurgen nutzen deshalb inzwischen computergestützte Navigationssysteme als Implantationshilfe. Sie ermöglichen eine direkte Kontrolle der Implantatposition während der Operation und gewährleisten so eine deutlich verbesserte Achsausrichtung.

Dr. Heyse warnt aber vor übertriebenen Erwartungen an die Navigationssysteme: „Die einzelnen Komponenten können zwar mit größerer Genauigkeit implantiert werden, die langfristige Erfolgsrate für den Patienten hat sich nach den bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht wesentlich verändert.“