Endlich Harmonie im Gesicht

Menschen, die unter sogenannten Dysgnathien (Kieferfehlstellungen) leiden, können sich beim MKG-Chirurgen über Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen. (Foto: proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)
Menschen, die unter sogenannten Dysgnathien (Kieferfehlstellungen) leiden, können sich beim MKG-Chirurgen über Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen. (Foto: proDente e.V. / Johann Peter Kierzkowski)

Ein MKG-Chirurg kann Kieferfehlstellungen und Gesichtsfehlbildungen korrigieren.

(dbp/fru) Das Gesicht eines Menschen ist entscheidend für den sozialen Kontakt. Schon beim ersten Anblick kann es uns Emotionen wie Freude oder Angst vermitteln. Dort sind auch drei unserer fünf Sinne angesiedelt und somit ist unser Gesicht maßgeblich an der Wahrnehmung unserer Umwelt beteiligt. Wenn das Gesamtbild des Gesichts durch Kieferfehlstellungen oder Gesichtsfehlbildungen gestört ist, kann das für Betroffene psychisch belastend sein, wenn sie ästhetisch nicht der „Norm“ entsprechen. Aber auch wichtige körperliche Funktionen wie Sprechen, Schlucken oder Essen können zum Teil massiv beeinträchtigt sein, was das Selbstbild der betroffenen Patienten ebenfalls geringer ausfallen lassen kann. Ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg (MKG-Chirurg) kann helfen, diese belastenden Eigenschaften zu korrigieren.

Fehlbiss-Chirurgie und Knochendistraktion

Kieferfehlstellungen (medizinisch Dysgnathien) können heutzutage operativ korrigiert werden. Die moderne Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) erlaubt auch in schwierigen Fällen eine Annäherung an den optimalen Biss, dem sogenannten Regelbiss (Neutralbiss). Bei diesem gibt es zwischen den einzelnen Zähnen einer Zahnreihe keine zu großen Abstände oder Überlappungen und die Oberkieferzähne beißen 1-2 Millimeter über die Unterkieferzähne.

Bei einem Fehlbiss können durch kleine Zugänge im Mundinneren die Kiefer in die anatomisch korrekte Position gestellt werden. So kann laut Deutscher Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) „z. B. ein vor- oder zurückstehender Ober- bzw. Unterkiefer nach vorne oder nach hinten verlagert werden. Ebenso lassen sich Höhe und Breite der Kiefer verändern.“ Früher hat man anschließend den Knochen verdrahtet und fixiert. Heutzutage übernehmen das kleine Titanschrauben und -miniplättchen. Der Patient kann dadurch den Mund nach der Operation sofort wieder öffnen. Auch Sprechen, Essen und Zahnpflege sind i. d. R. weiterhin möglich.

Wenn der Kiefer zu eng ist und die 16 Zähne des Kiefers nicht ausreichend Platz darin haben, kann eine Knochenspreizung (medizinisch Knochendistraktion) helfen, zusätzliches Knochenmaterial aufzubauen. Dabei wird anhand einer kleinen Apparatur der Kiefer sanft – aber kontinuierlich – über mehrere Wochen aufgedehnt und es entsteht wie nach einem Knochenbruch neues Knochengewebe.

Fachübergreifende Begleitung für LKG-Spalten-Patienten

Aber nicht nur Kiefergelenksfehlbildungen können einen operativen Eingriff notwendig machen. Auch bei sogenannten Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten (LKG-Spalten) können MKG-Chirurgen helfen. Hierbei handelt es sich um Fehlbildungen des Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereiches, die sich beim Kind in den ersten drei Lebensmonaten während der Schwangerschaft bilden. Prof. Dr. Dr. Günter Lauer ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Dresdner Uniklinikum Carl Gustav Carus und erklärt, dass während der Gesichtsentwicklung bei diesen Spaltformen Gewebewülste nicht miteinander zusammenwachsen und dadurch Muskeln im Gesicht und im Gaumenbereich nicht an der richtigen Stelle ansetzen.

Ziel der modernen Spaltchirurgie sei es laut Prof. Lauer, die fehlende oder mangelhafte Vereinigung der Gewebe, insbesondere der Muskulatur wiederherzustellen. Nach dem Eingriff erfolgen regelmäßig Kontrollen, um Funktionen wie Sprechen, Schlucken, Hören sowie die Ästhetik zu überprüfen. Hierzu sei es wichtig, dass Wachstum der Kinder fachübergreifend mit HNO-Ärzten, Kieferorthopäden und ggf. Logopäden zu begleiten, so der Experte.