Eine Spritze „Gelenkschmiere“ fürs Knie

Das Kniegelenk ist am häufigsten von Arthrose betroffen. (Foto: Iaroslava Zubenko / Fotolia)
Das Kniegelenk ist am häufigsten von Arthrose betroffen. (Foto: Iaroslava Zubenko / Fotolia)

IGeL-Check: Hyaluronsäure-Injektion bei Kniearthrose

Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Nur auf Wunsch und mit schriftlicher Zustimmung des gesetzlich Versicherten darf der Arzt eine IGeL erbringen und muss diese nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor, je nach Aufwand der Leistung.

(dbp/auh) Schmerzen in den Gelenken können viele Ursachen haben. Arthrose gehört dazu. Dabei handelt es sich um den schleichenden Abbau des Knorpelgewebes im Gelenk. Der Grund: Verschleiß. Prinzipiell kann Arthrose in jedem Gelenk auftreten. Besonders häufig betroffen sind Finger-, Knie-, Hüft-, Sprung- und Schultergelenke. Für den Patienten ist diese Diagnose frustrierend, denn Arthrose ist nicht heilbar, der Knorpelabbau schreitet unaufhörlich voran.

Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, kann dieser degenerative Prozess jedoch verlangsamt und die Beschwerden gelindert werden. Verschiedene therapeutische Möglichkeiten stehen zur Verfügung: in erster Linie Bewegung, aber auch Bestrahlung, Wärme- und Kältebehandlungen, Medikamente oder intraartikuläre Injektionen, also Spritzen direkt ins Gelenk.

Die Behandlung mit Hyaluronsäure-Injektionen zählt zu den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil von Bindegewebe, Knorpel und Gelenkflüssigkeit und dient als „Schmiermittel“ der Gelenke. In der Regel werden für einen Therapieversuch drei bis fünf Injektionen verabreicht. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bewertet die Hyaluronsäure-Injektion bei Kniearthrose in seinem „Igel-Monitor“ wegen des geringen Nutzens als „tendenziell negativ“.

Bisher kein wissenschaftlicher Nachweis

Auch innerhalb der Ärzteschaft ist die Wirksamkeit dieser Methode umstritten. „Wenn überhaupt ein Effekt besteht, kann er nicht sehr groß sein“, erklärt der Rheumatologe Dr. Jochen Lautenschläger auf der Internetseite der Deutschen Rheuma-Liga (www.rheuma-liga.de). Sein Argument: „Sonst wären sich die Experten nämlich einig.“ Die Gegenrede stammt vom Orthopäden Dr. Martin Quarz. Seiner Meinung nach dürfe man nicht auf den endgültigen Beweis der Wirksamkeit von Hyaluronsäurepräparaten warten. Stattdessen „sollten wir uns auf unseren Verstand und den derzeitigen Kenntnisstand verlassen. Demnach ist Hyaluronsäure eine körpereigene Substanz, die im Knorpelstoffwechsel und bei der ,Schmierung’ des Gelenks offensichtlich eine wichtige Rolle spielt.“

Fazit: Für Patienten mit leichter oder mittelschwerer Kniearthrose, die mit anderen Therapieoptionen keine Linderung ihrer Beschwerden erreicht haben, kann sich ein Versuch lohnen. Vorausgesetzt, sie können die Gesamtkosten von etwa 200 bis 400 Euro verschmerzen.