Eine bessere Wundversorgung ist möglich

Beim offenen Bein sollte die feuchte Wundbehandlung, zum Beispiel mit einem Hydrokolloidverband, der trockenen Wundauflage vorgezogen werden. (Foto: Bilderbox)
Beim offenen Bein sollte die feuchte Wundbehandlung, zum Beispiel mit einem Hydrokolloidverband, der trockenen Wundauflage vorgezogen werden. (Foto: Bilderbox)

Bundesverband Medizintechnologie setzt sich für feuchte Wundauflagen ein

(dbp/auh) In Deutschland leiden etwa vier Millionen Menschen an chronischen Wunden. Beispiele: offenes Bein (Ulcus cruris venosum) oder diabetisches Fußsyndrom. Um diese Wunden zu heilen, muss nicht nur die jeweilige Grunderkrankung behandelt werden. Ohne die richtige äußerliche Versorgung bleibt das Problem über Jahre bestehen, und das tue es bei den meisten Patienten, teilt der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) mit. Der Grund, nach Meinung des Verbandes: Aus Unkenntnis oder aus Kostengründen wenden Ärzte die modernen, feuchten Wundversorgungsprodukte nicht an.

Studie belegt Vorteile feuchter Wundauflagen

Das sei nicht nur aus Sicht der Patienten bedauerlich. Ein gezielter Einsatz moderner Wundauflagen könne auch die Therapiekosten senken, die sich nach Angaben des BVMed jährlich auf vier bis fünf Milliarden Euro belaufen. Feuchte Wundauflagen bereiten weniger Schmerzen, sind effektiver in der Geruchsabsorption und verbessern die Mobilität. Eine Metaanalyse auf der Basis von 170 Studien zu Patienten mit chronischen Wunden hat diese Einschätzung bestätigt.

Professor Matthias Augustin stellte die Analyse auf der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft Anfang Mai 2013 in Dresden vor. „Die Abheilungschance bei feuchten Wundauflagen ist im Schnitt 52 Prozent besser als beim Einsatz konventioneller Verbandmittel“, war das Fazit des Direktors des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass hydroaktive Wundauflagen als Produktklasse in der Therapie chronischer Wunden den konventionellen Wundauflagen hinsichtlich Abheilungschance überlegen sind“, so Professor Augustin.

BVMed: „Durchbruch“

Für den BVMed sind die Ergebnisse der Metaanalyse ein Durchbruch in der Bewertung von Wundversorgungsprodukten. „Das eindeutige Ergebnis der Studie, die klare Überlegenheit moderner Wundversorgungsprodukte gegenüber konventionellen Wundauflagen, wird die Barrieren, die einer besseren Versorgung chronischer Wunden teilweise noch im Wege standen, weiter ausräumen“, erklärt Daniela Piossek, Leiterin des Referats Krankenversicherung beim BVMed. „Weniger Verbandswechsel durch verbessertes Exsudatmanagement, schnellere Wundheilung, weniger Schmerzen beim Verbandswechsel mit modernen Wundversorgungsprodukten kann die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden.“ Als Exsudat bezeichnet man das Sekret, das aus einer Wunde sickert.

Dass jedoch zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Wundversorgung oft eine Lücke klafft, zeigte im Juni eine BVMed-Konferenz zu dem Thema in Bonn. Dort beklagte beispielsweise Dr. Karl-Christian Münter, dass eine angemessene Wundbehandlung heutzutage in einer Allgemeinarztpraxis aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht möglich sei. Der Phlebologe und Allgemeinmediziner aus Hamburg forderte, dass die Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden als Praxisbesonderheit anerkannt und gesondert honoriert werden müsse. „In acht Minuten durchschnittlicher Behandlungszeit können Sie keine Wundbehandlung durchführen“, erklärte Dr. Münter. Auch müssten die Wundauflagen als Sprechstundenbedarf abgerechnet werden können. „Billige Therapie wird teuer durch inadäquate Behandlung“, bedauerte der Arzt.