Ein Test allein genügt nicht

Vorsorge wird während der Schwangerschaft besonders groß geschrieben. (Foto: Oksana Kuzmina / Fotolia)
Vorsorge wird während der Schwangerschaft besonders groß geschrieben. (Foto: Oksana Kuzmina / Fotolia)

IGeL-Check: Toxoplasmose-Test als Früherkennung in der Schwangerschaft

(dbp/auh) Schwangere stehen unter besonderem Schutz. Das gesetzlich geregelte Vorsorgeprogramm für werdende Mütter beinhaltet umfassende Beratung und zahlreiche, regelmäßige Untersuchungen. Alle in den Mutterschaftsrichtlinien festgeschriebenen Vorsorgeleistungen werden von den gesetzlichen und privaten Kassen bezahlt.

Darüber hinaus gibt es zusätzliche Möglichkeiten zur Überwachung der Schwangerschaft oder zur Früherkennung potenzieller Risiken, die nicht zum Katalog der Kassenleistungen zählen. Werden diese Untersuchungen ohne einen medizinisch begründeten Verdacht durchgeführt, müssen sie privat bezahlt werden. Ein Beispiel ist der Toxoplasmose-Test (Kosten: etwa 16 Euro).

Toxoplasmose ist weit verbreitet

Toxoplasmen sind Parasiten, die sich hauptsächlich in Katzenkot und im Fleisch von Schweinen, Schafen und Geflügel befinden. Die Toxoplasmose ist beim Menschen sehr weit verbreitet. Eine Infektion verläuft bei gesunden Erwachsenen ohne Immunschwäche in der Regel ohne Symptome, sie wird also meist gar nicht bemerkt und hinterlässt auch keine Schäden.

Gefährlich ist die Infektion aber für das Kind im Mutterleib, wenn sie zum ersten Mal während der Schwangerschaft auftritt. Überträgt sich die Infektion auf das Ungeborene, können Fehlgeburten oder Fehlbildungen die Folge sein. Deshalb empfehlen viele Frauenärzte, dass sich Frauen mit Kinderwunsch oder zu Beginn der Schwangerschaft auf Toxoplasmose testen lassen. Stellt sich dabei heraus, dass sie bereits eine Infektion mit Toxoplasmen durchgemacht hat und folglich immun ist, bestünde selbst bei einer erneuten Ansteckung während der Schwangerschaft keine Gefahr.

Kassen beurteilen Test mit „negativ“

Dennoch bewertet der „IGeL-Monitor“, ein Bewertungsportal des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, den Toxoplasmose-Test bei Schwangeren als „negativ“. Die Begründung: Ein einziger Test reicht nicht aus. Ganz gleich, wie er ausfällt, er zieht unweigerlich weitere Tests nach sich, um auf Nummer sicher zu gehen. Insbesondere bei einem negativen Testergebnis (keine Infektion) und wenn bei den Folgetests tatsächlich eine Erstinfektion festgestellt werde, sei die körperliche und psychische Belastung für die Schwangere größer als der Nutzen der dann eingeleiteten Antibiotika-Therapie.

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) kommt bei der Abwägung von Risiko und Nutzen zu einer anderen Einschätzung. Es sei zwar richtig, dass sowohl ein einmaliges negatives als auch ein einmaliges positives Ergebnis keine abschließende Aussagekraft habe, so Dr. Klaus König, Vizepräsident des BVF. Auch sei eine Schädigung des ungeborenen Babys durch Toxoplasmose-Erreger tatsächlich selten. „Wenn sie aber auftritt, handelt es sich um schwerwiegende, bleibende Schäden“, betont Frauenarzt Dr. König.

RKI plädiert für Test

Der BVF orientiert sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), das feststellt: „Wesentlich ist es, eine Erstinfektion in der Schwangerschaft zu verhindern. Dazu ist es erforderlich, zu wissen, ob eine Immunität vorliegt oder nicht.“ Schwangere ohne Antikörper seien während der Schwangerschaft möglichst regelmäßig zu untersuchen.

Dr. König erläutert das Vorgehen: „Wenn der erste Test zu Beginn der Schwangerschaft negativ ist, sollte ein zweiter und ein dritter Test etwa zur 20. und zur 30. Woche ins Auge gefasst werden. Auf diese Weise können frische Infekte frühzeitig entdeckt und behandelt werden. Ist der Test einmalig positiv, so muss ein weiterer Test durchgeführt werden, um festzustellen, ob es sich um eine ausgeheilte Infektion mit stabiler Immunabwehr handelt oder um einen frischen Infekt.“

Die Praxis zeige, dass bei frühzeitiger Erkennung einer frischen Toxoplasmose-Infektion und einer rechtzeitigen Antibiotika-Therapie ein Ausbruch der Toxoplasmose und eine Infektion des Kindes verhindert werden könne. „Deshalb empfiehlt der BVF seinen Mitgliedern, Frauen mit Kinderwunsch und Frauen zu Beginn der Schwangerschaft eine Testung auf Toxoplasmose-Antikörper anzubieten.“